Archiv für den Monat: April 2008

Umfrage zur RFID-Regulierung der EU-Kommission

Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einer Strategie und Empfehlung für die Mitgliedsländer zur Regulierung von RFID. In der jetzigen Fassung sind recht strenge Anforderungen hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit gestellt. Nun will man von EU-Bürgern und der Wirtschaft eine Meinung dazu einholen und bittet bis zum 25. April um eine Stellungnahme.

Besonders in Artikel 7 der Empfehlung werden die Rechte von uns Konsumenten behandelt. So ist vorgesehen, dass RFID-Tags, die in irgendeiner Form Rückschlüsse auf personengebundene Daten zulassen, an der Kasse automatisch deaktiviert werden sollen, es sei denn, der Kunde verlangt etwas anderes. Diese verbraucherfreundliche Regelung ist der RFID-Lobby (AIM ,Informationsforum RFID) sicherlich ein Dorn im Auge, da dadurch die einfache Verwendung von RFID erschwert (u.a. wohl durch Mehrkosten) und die Verbreitung von RFID im Handel gehemmt würde. Ich bin jedoch der Meinung, dass der Datenschutz bei RFID an oberster Stelle stehen muss und wirtschaftlichen Interessen nicht weichen darf. Ich glaube sogar, dass die Akzeptanz von RFID bei den Konsumenten durch strenge, klare und offene Datenschutzrichtlinien erhöht wird und somit auch der wirtschaftliche Erfolg nicht ausbleiben wird. Ich möchte in Zukunft ungern mit einem Haufen RFID-Etiketten in Kleidung und sonstigen Dingen durch die Gegend laufen, ohne zu wissen, wer damit zu welcher Gelegenheit persönliche Daten über mich gewinnt.

Dass das Verständnis über RFID-Anwendungen bei Personen und Firmen noch unterentwickelt ist, zeigen jüngste Studien.

FoeBuD e.V. wird ausgezeichnet

Der Datenschutz- und Bürgerrechtsverein FoeBuD e.V. wird heute mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet. Damit wird die unermüdlichen Arbeit des “Vereins zur Förderung des öffentlich bewegten und unbewegten Datenverkehrs” gewürdigt, der u.a. gegen die ausufernde Kontrolle und Überwachung der Bürger eintritt. Der WDR hat dazu einen schönen Artikel ins Netz gestellt. Auch auf der FoeBuD-Homepage wird über die Auszeichnung berichtet.

Zugleich erhält der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum “wegen seines unermüdlichen Engagements zur Stärkung und Sicherung der Bürger- und Freiheitsrechte” den diesjährigen Theodor-Heuss-Preis. Gerhart Baum ist beispielsweise einer der Kläger gegen die Vorratsdatenspeicherung.

OOXML stößt auf Ablehnung

Das kürzlich nach ISO standardisierte OOXML stößt bei vielen Nutzergruppen auf Ablehnung. Besonders das Bundesaußenministerium stellte diese Woche klar, dass man ODF gegenüber OOXML favorisiert, da OOXML bisher kein plattformunabhängiges Dokumentenformat sei. Vielmehr sieht man die Gefahr, sich nach Implementierung von OOXML auch bei Betriebssystemen wieder in eine Abhängigkeit zu Microsoft zu begeben.

Das Außenministerium stellt nämlich derzeit seine Rechner auf Linux um und dient somit als sehr gutes Beispiel, wie man aus Microsoft-Abhängigkeiten herauskommt – und dass bei verbesserten Leistungen und höherer Sicherheit [1],[2].

Einige Meldungen zu OOXML vs. ODF:

OOXML wurde zum ISO-Standard “erlobbied”

Nach den Entwicklungen der letzten Wochen konnte man es erahnen: Die ISO hat das von Microsoft entwickelte Dokumentenformat OOXML im zweiten Anlauf zum ISO-Standard erhoben. Der seit der ersten fehlgeschlagenen Abstimmung erhöhte Druck seitens Microsoft auf die nationalen Abstimmungsgremien hat also gewirkt. Da halfen auch keine Kampagnen mehr. Einen lupenreinen Lobbyismus haben wir da erlebt – und wie viele Medien und Experten berichten, wurde hier und da die Grenze zur Korruption überschritten.

Man kann sich als Beobachter schon wundern, wie es Microsoft international immer wieder schafft, seine Interessen durchzusetzen. Vor allem hinsichtlich des von der EU kürzlich verhängten Rekordbußgeldes von 899 Mio € reibt man sich die Augen. Und auch den OOXML-Standardisierungsprozess untersuchen die EU-Kartellwächter nun wieder, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Nun haben wir neben OpenDocument (ODF) einen zweiten anerkannten ISO-Standard. Und da beide inkompatibel zueinander sind (es gibt jedoch schon Konverter), wird man erst in Zukunft sehen, welches Format sich durchsetzt. Man muss kein Prophet sein, um dem Microsoft-Format bei der bestehenden Marktdominanz des amerikanischen Monopolisten eine gute Chance einzugestehen. Vor allem im gewerblichen Bereich wird Microsofts Format wohl kurz- bis mittelfristig die Nr. 1 bleiben, aber die Fronten bröckeln. Meine Hoffnung geht vor allem dahin, dass wenigsten in Europa, bei Behörden und bei Privatleuten das ODF-Format mehr Anhänger findet, da dieses Format nicht nur den kommerziellen Interessen von Microsoft dient, sondern von vielen IT-Firmen (eigentlich genau von den Gegenspielern Microsofts wie z.B. Sun, IBM und Google) und vor allem der Open-Source Szene getragen wird. Zudem setzt ODF im Gegensatz zu OOXML sehr stark auf die Integration schon bestehender Standards wie SVG für eingebettete Grafiken, während OOXML hier proprietäre Microsoft-Formate vorsieht [1].

Daher sei an dieser Stelle gesagt: Leute, setzt OpenDocument (ODF) ein !!

NO OOXML

Das bekannteste Office-Programm mit ODF-Unterstützung ist das quelloffene OpenOffice, welches in den meisten Punkten locker mit Microsoft Office mithalten kann, wie ich hier berichtet habe und auch hier dargestellt wird.

Meldungen zum Thema: