Feed auf
Postings
Kommentare

Monatsarchiv für Juli 2009

piraten_slogans_5

Heute morgen erschien in meiner Tageszeitung, der Rheinischen Post (RP), ein Artikel zu den Zielen der Piratenpartei. Leider ist man es ja von der RP gewohnt, bei politischen Ansichten sehr nah an der CDU und damit wenig unabhängig zu sein. Und auch in diesem Artikel vermisse ich eine halbwegs fundierte journalistische Auseinandersetzung mit dem Thema.

In dem RP-Artikel wird recht kurz eine neue politische Partei vorgestellt; die Ziele werden dann jedoch auf ein einziges reduziert, nämlich das kostenlose Herunterladen urheberrechtlich geschützter Inhalte aus dem Internet. Dass die Piratenpartei vor allem für den Schutz der Bürgerrechte und den Erhalt der Freiheit im Netz mit all seinen Facetten einsteht, das wird nicht oder nur am Rande erwähnt. Die Ziele gehen weit über kostenlose Downloads hinaus. Stattdessen pickt man sich gerade das Ziel heraus, das zweifelsohne am meisten mit geltendem Recht und den etablierten Lobbygruppen kollidiert. Die Piratenpartei wird in die Ecke der Rechtsverletzung gedrängt. Na gut, zumindest am Ende des Artikels wird geschildert, dass die Piraten in Sachen Urheberrechte durchaus prominente Unterstützung unter den Experten haben. Alles in allem also ein Artikel, der wenig über die Ziele der Piraten aussagt.

Wollen wir uns doch mal wirklich mit den Zielen der Piratenpartei bzw. dem damit verbundenen Parteiprogramm beschäftigen. Mögen diese Ziele auf den ersten Blick zwar vornehmlich auf das Internet bezogen sein, wird man bei genauerer Betrachtung feststellen, dass viele Themen übergreifend sind und unser alltägliches Leben und den Fortschritt einer modernen Wissensgesellschaft betreffen. Im folgenden möchte ich meine persönliche Sichtweise der Kernpunkte wiedergeben, die sich zumeist mit den Ansichten der Partei decken, wie ich meine.

Fangen wir mit dem oben erwähnten Urheberrecht an. Hier geht es darum, dass wir das geltende Modell der Rechteverwertung urheberrechtlich geschützter Werke (Musik, Filme, Kunst, Literatur, etc.) an die neuen gesellschaftlichen Umstände anpassen, die aus dem grenzenlosen Internet und der politisch gewollten Globalisierung entstanden sind. Die regierende Politik möchte genau das Gegenteil, nämlich das Recht immer mehr an ein altes Geschäfts- und Vergütungsmodell anpassen, welches die Menschen aber so nicht mehr verstehen und annehmen. Getrieben oder gar unterwandert wird die Politik dabei durch die verschiedenen Lobbygruppen der Medien-Industrie. Abmahnungen und Strafen, z.B. bei Musikdownloads, zeigen doch, dass hier etwas nicht mehr stimmt. Statt also zunehmend die Massen zu kriminalisieren und mit Repressalien zu drohen, sollte man das Urheberrecht überdenken. Wie das im einzelnen aussehen sollte, ob z.B. durch eine Kulturflatrate oder durch eine völlige und kostenlose Freigabe, zumindest im privaten Gebrauch, darüber ließe sich konstruktiv streiten. Am Ende müssen aber die Interessen der Verbraucher und Künstler viel stärker beachtet werden.

Die Piratenpartei beschäftigt sich vor allem mit Bürgerrechten, Datenschutz und Informationeller Selbstbestimmung. Gerade in Bezug auf Urheberrechte und Web-Sperren zeigt sich, dass die Aussagen vieler Politiker, das Internet sei ein rechtsfreier Raum, völliger Unsinn sind. Recht und Gesetz gelten auch im Netz, werden sogar dort oft repressiver durchgesetzt als im “realen Leben”, wie bei Telepolis schön zu lesen ist. Das liegt hauptsächlich daran, dass nicht nur massenhafte Rechtsverletzungen einfacher über ein globales Medium möglich sind, sondern auch deren Verfolgung mittels flächendeckender oder gezielter Überwachung und Kontrolle der Bürger. Auch dafür brauchen wir eine Piratenpartei, denn das Internet soll kein bürgerrechtsfreier Raum werden.

Eine bundesweite Suche nach illegalen Downloads im Netz wäre heute schon aufgrund der vielen neuen Gesetze (Vorratsdatenspeicherung, BKA-Gesetz, etc.) theoretisch und praktisch machbar. Das wäre vergleichbar mit der flächendeckenden Installation und Auswertung von Überwachungskameras in jeder Wohnung, auf jedem Schulhof und in jeder Kneipe. Nur würde das einen Sturm der Entrüstung nach sich ziehen. Im Netz allerdings sind solche Maßnahmen vom Gesetzgeber vorgesehen und werden schon gegen die Bürger eingesetzt. Die Entrüstung hält sich dabei aber in Grenzen. Und dabei hat z.B. die Vorratsdatenspeicherung massive Auswirkungen auch im realen Leben, siehe “Vorratsdatenspeicherung bringt nahezu lückenlose räumliche Überwachung“. Dass der Staat die Einschränkung der Grundrechte billigend in Kauf nimmt, ist erschreckend und zeigte jüngst eine Grundsatzdebatte im Bundestag. Die Piratenpartei unterstützt viele Aktionen, wie z.B. Demos, um auf diese Missstände aufmerksam zu machen.

Beim Thema Patentwesen wollen die Piraten vor allem Softwarepatente verhindern, die ein starkes Hemmnis für Innovationen in der Informationstechnologie sind. Am Beispiel der aktuellen Diskussion um die Aufnahme eines Audio- und Videocodecs in den HTML-5-Standard zeigt sich, dass patentierte und lizenzierte Verfahren Innovationen und offene Standards verhindern. Patente und Lizenzgebühren spielen aber auch eine besondere gesellschaftliche Rolle in Medizin, Pharmazie und Landwirtschaft. Sie begünstigen Monopole und geschlossene Märkte und verhindern einen Fortschritt, an dem alle teilhaben könnten und sollten.

Nicht zuletzt widmet sich die Piratenpartei den Themen Open Access und Transparenz. Bei Open Access geht es darum, den Bürgern freien Zugriff auf allgemeine und wissenschaftliche Informationen im Internet zu gewähren. Beispiel: Im wissenschaftlichen Bereich sollte es Pflicht werden, die mit öffentlichen Geldern geförderten Forschungsergebnisse der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Das ist heute durchaus nicht üblich. Denn wieso soll der Einzelne nicht die Ergebnisse aus Wissenschaft und Forschung begutachten oder sogar nutzen können, die er selbst über Steuern finanziert hat ? Nutzungsrechte über freie Lizenzen, ähnlich dem Open-Source-Modell, sollten eingeräumt werden.

Das Programm der Piraten geht auf noch mehr Punkte ein, die ich hier nicht alle wiedergeben möchte. Wie man sieht, ist das Programm der Piraten also alles andere als auf freien Download von Musik beschränkt, wie uns die Mainstream-Presse weismachen will. Vielleicht werden sich die etablierten Parteien noch wünschen, die Netzgemeinschaft wäre politikverdrossen. Der Wahlkampf im Netz hat begonnen.

Nachtrag:

Am Wochenende tagte die Piratenpartei, um das Programm und den (Enter-)Kurs für die Bundestagswahl abzustimmen. Siehe Berichte dazu hei Heise, Spiegel Netzwelt und Tagesschau.

Nachtrag 2 (07. Juli 2009):

Eine schöne Zusammenfassung des beschlossenen Fahrplans der Piraten gibt es bei Heise.

Neues Bild im Header

Ich habe heute hier im Blog ein neues Header-Bild (oben) eingefügt. Das Bild habe ich diesen Sommer an der Nordsee mit meiner neuen Panasonic Lumix DMC-TZ7 aufgenommen (Sonnenuntergang in Westerbur).

Auf dem alten Bild waren per Gruppenfoto meine Eltern, Brüder, Schwägerinnen, Neffen und Nichten abgebildet, was auf Dauer eventuell einer der Personen missfallen hätte, da ich hier im Blog doch das ein oder andere Mal recht klare und harte Worte finde zum Zustand unserer politischen “Eliten”. Von daher wollte ich einer Beschwerde vorweg greifen, zumal sich zu meinem Leidwesen keine der abgebildeten Personen aktiv am Blog beteiligt hat. Der Blog sollte eigentlich ein Familienblog sein mit der Möglichkeit, Neuigkeiten und Berichte aus dem Familienkreis der Krüdewagens auszutauschen, was aber mangels Resonanz gescheitert ist. Nun mache ich weiter mit Berichten und Meinungen zu Themen wie Computer & Internet, Bürgerrechte, Politik, Überwachung etc.

zensursula_alter_obdach

Die letzte Hürde ist nun auch genommen. Das sehr umstrittene Gesetz zum Sperren von Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten ist gestern vom Bundesrat durchgewunken worden. Bei netzpolitik.org findet sich das Video zur entsprechenden Sitzung. Somit tritt das Gesetz im nächsten Monat in Kraft. Und Deutschland erhält die von der Regierung mit aller Macht forcierte Infrastruktur zur Zensur des Internets !

Das Gesetz wurde auch hier im Blog lange genug kritisiert. Von daher möchte ich nicht mehr allzu viel dazu sagen. In den letzten Tagen vor der Bundesratssitzung blieben auch letzte Gespräche mit der Regierung ergebnislos. Es zeigte sich, dass Frau von der Leyen immer noch falsch argumentiert und auch die Begehrlichkeiten für eine Ausweitung der Zensur wachsen. Ein paar Artikel zu den Ereignissen der letzten Woche:

Quelle Bild: www.mediengestalter.cc

http://www.heise.de/newsticker/Netzgemeinde-wirft-Ursula-von-der-Leyen-Ignoranz-vor–/meldung/141771

scholl

Vor ein paar Tagen habe ich mir zum ersten Mal den Film “Sophie Scholl – Die letzten Tage” angesehen. Ich kann den Film sehr empfehlen. Sehr beeindruckend fand ich im Verhör die Wortwechsel zwischen dem Ermittlungsbeamten Mohr und der Gesetzesbrecherin Sophie Scholl.

Ein wenig haben mich die Phrasen des Beamten und die Gegenargumente der Sophie Scholl schon an heutige Verhältnisse erinnert und mich dahingehend bestärkt, wachsam zu sein und Gesetze und Verordnungen zu hinterfragen, egal von wem sie stammen, von welchen hehren Zielen sie geleitet werden und in welcher Staatsform sie erlassen werden. Hier ein paar zusammenhängende Zitate aus dem Film:

Mohr: “Wo kommen wir denn hin, wenn jeder selbst bestimmt, was nach seinem Gewissen richtig oder falsch ist?”

Sophie Scholl: “Das Gesetz ändert sich. Das Gewissen nicht.”

Mohr: “Woran soll man sich denn halten, wenn nicht an das Gesetz? Egal, wer es erlassen hat!”

Sophie Scholl: “Das Gesetz, auf das Sie sich berufen, hat vor der Machtergreifung 1933 noch die Freiheit des Wortes geschützt und heute bestraft es unter Hitler das freie Wort mit Zuchthaus oder dem Tod. Was hat das mit Ordnung zu tun?”

Mein Fazit: Regierungen und deren Taten (Gesetze) müssen ständig vom Volk kontrolliert werden, nicht nur alle vier Jahre beim Wählen. Das gilt heute noch, auch in einer vermeintlich so freien und demokratischen Staatsform. Man muss sich nur die Aussagen von Innenminister Wolfgang Schäuble anhören, wie z.B. jüngst auf einer Wahlkampfveranstaltung, um das zu verstehen. Ich zitiere aus dem Heise-Artikel:

[...] Die “Verunsicherung der jungen Leute” in Bezug auf die in der vergangenen Legislaturperiode geschaffenen Sicherheitsgesetze nannte Schäuble völlig ohne Grund. Ohne Sicherheit könne es keine Freiheit geben. Die Grundrechte müssten durch Regeln beschränkt werden, so der Bundesinnenminister. [...]

[...] Zum BKA-Gesetz sagte Schäuble, wenn die Polizei nicht wisse, wo etwas wann passiere, könne sie “eben erst hinterher kommen”. In bestimmten, eng eingegrenzten Fällen sei daher die Einschränkung von Brief- und Fernmeldegeheimnis gerechtfertigt und daher auch die Online-Durchsuchung. [...]

Meine Meinung ist: Im Grundgesetz sind schon ausreichend Einschränkungen enthalten. Noch mehr Einschränkungen verkraftet es nicht, ohne den Geist der Freiheit zu verlieren. Wo z.B. steht im Grundgesetz, dass die Polizei (immer) wissen muss, wo etwas wann passiert ?

Quelle Foto: unbekannt, jedoch Verweise gefunden auf “Weiße Rose Stiftung e.V.”, “Bundeszentrale für politische Aufklärung” und “United States Holocaust Memorial Museum”.

Ein neuer Zensursula-Song ist auf Youtube aufgetaucht, diesmal der rockigen Art. Siehe auch “Zensi Zensa Zensursula“.

Jörg Tauss hat sich heute beim indischen Botschafter für unsere Familienministerin von der Leyen (Zensursula) entschuldigt. Zensursula hatte mehrfach behauptet, dass Indien “keinerlei Ächtung von Kinderpornografie” habe, um damit die Einrichtung einer Zensur in Deutschland zu begründen. netzpolitik.org unterrichtete auch schon über die Antwort der indischen Botschaft.

Das Gesetz ist ja nun beschlossen und die Lügen und Verunglimpfungen haben ihre Wirkung gezeigt, da spielt es ja auch keine Rolle mehr für einen Politiker, wie das Gesetz zustande kam. Ich schließe mich Jörg Tauss an und schäme mich für unsere Bundesfamilienministerin.

Nachtrag: Siehe auch Heise-Artikel, eine Rücktrittsbitte von Twister und Blog-Posting beim Handelsblatt.

Unsere Justizministerin Brigitte Zypries hat gestern in einem Interview bei Welt Online wieder ihre besondere Weltanschauung in Sachen Grundrechte, Zensur und Internet unter Beweis gestellt. Was da an Argumenten und Halbwahrheiten von unserer “politischen Elite” verbreitet wird, spottet jeder Beschreibung. Besonders in Sachen Urheberrechte gibt es es noch eine Menge für Frau Zypries zu lernen oder einfach mal ohne “ja, aber” anzuerkennen. Allein die Tatsache, dass bereits eine Menge Geld über Zwangsabgaben auf Hardware aller Art (Scanner, CD-Brenner, Rohlinge, etc.) für das potentielle Kopieren von Musik, Videos, Texten und Bildern vom Verbraucher pauschal bezahlt wird, wird völlig ignoriert. Aber das bisher völlig legale Mitschneiden von analogen Quellen wie Radio wird an den Rand der Legalität gedrückt. Wann wird endlich wieder Politik für das Volk gemacht statt dagegen ? Wann zählt der Wille des Volkes wieder mehr als der von Wirtschaftsbossen und Lobbyisten ?

Zum Phänomen der Piratenpartei meint Frau Zypries:

[...] Selbstverständlich nehme ich das ernst. Aber auf einer irrationalen Ebene lässt sich nur schwer diskutieren. [...]

[...] Es reicht nicht, wenn sich die Programmatik darin erschöpft, einem Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen nach dem Motto: Wir sind jung, wir kennen das Netz, und ihr Alten versteht davon nichts.[...]

Wie bitte ? Auf irrationaler Ebene ? Und schönen Dank auch, dass ich nach Wolfgang Schäuble, der mich jüngst auch zur jungen Generation zählte, wieder als jung bezeichnet werde.

[Nachtrag]: Siehe Reaktion der Piratenpartei.

Beim Thema Urheberrechte geht es eben nicht darum, diese abzuschaffen, um kostenlose Inhalte zu genießen (mir jedenfalls nicht und den Piraten auch nicht). Es geht darum, das Urheberrecht so zu ändern, dass die Nutzer mehr Rechte erhalten. Es werden nämlich nicht (nur) die Urheber enteignet, sondern zusehends die Verbraucher. Frau Zypries sollte sich vielleicht mal mit Creative Commons (CC) beschäftigen, einem Lizenzmodell ähnlich dem bei Open Source Software. Der Urheber bleibt bei CC Urheber seines Werkes, gestattet den Nutzern aber weitergehende Rechte und Freiheiten an seinem Werk. Im Laufe der Digitalisierung sind dem Verbraucher nämlich immer mehr Rechte entzogen worden unter dem Deckmantel des Raubkopierertums. DRM ist nur eine Variante dieser Rechteentziehung. Ich könnte und werde hier im Blog noch weitere Beispiele nennen.

CC sollte zuerst bei vom Steuer- und Gebührenzahler bereits finanzierten Werken verwendet werden. Da fällt mir spontan der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ein. Warum werden die von mir/uns bezahlten Werke der ARD und ZDF nicht unter eine CC-Lizenz gestellt, so dass ich ohne Bauchschmerzen diese auf meiner Homepage einbinden könnte ? Diese Frage hätte ich gerne mal beantwortet. Das Thema Öffentlich-Rechtlich vs. Privat und den gesetzlichen Regelungen der Inhalte ist ein eigenes Posting wert.

Heise und netzpolitik.org haben über das Interview bereits berichtet und die Kommentare auf den Seiten sprechen Bände, was die “Netzgemeinde” davon hält. Im Heise-Forum gibt es wieder bemerkenswerte Meinungen, siehe [1],[2] oder [3].

Gerne sei auch auf das aktuelle c’t Editorial verweisen, welches sich mit dem irrational denkenden, digitalen Volk beschäftigt.

Ich werde übrigens meinem “jugendlichen” Lebensgefühl spätestens zur Bundestagswahl auf “irrationale” Weise Ausdruck verleihen.

Cable_tvDie Verbraucherzentrale NRW hat eine Warnung vor dem Kauf von aktuellen HDTV-Receivern ausgesprochen. Anlass ist die Einführung einer neuen, HD+ genannten Plattform beim Satelliten-TV Betreiber ASTRA für das HDTV-Angebot einiger privater TV-Programme (ProSiebenSat.1, RTL, VOX, etc.) über Satellit. Bei diesem neuen Format wird eine neue Schnittstelle CI+ eingeführt, die für das Rechtemanagement (u.a. für Verschlüsselung und Zugangskontrolle) zuständig ist. Hier wird dann eine Smartcard nötig sein, um die verschlüsselten HD+ Programme anschauen zu können. Die Zeiten, wo jeder “freie” SAT-Receiver für alle Programme ausreicht, wären damit vorbei.

Aktuelle HDTV-Receiver basieren auf dem CI-Standard, der mit CI+ nicht kompatibel ist. Man soll also gemäß Verbraucherzentrale warten, bis CI+ Geräte verfügbar sind, um alle bald verfügbaren HD-Programme sehen zu können. Neue Formate und neue Geräte werden dann sicherlich noch in den kommenden Jahren eingeführt, vermute ich. Denn die Branche weiß wie kaum eine andere, wie man Verbraucher verprellen kann. Besonders beim Kabel-Digital-TV gibt es seit Jahren ein Chaos bei den Formaten, das besonders auf die von der USA-dominierten Medienindustrie verlangte Verschlüsselung und die Gier der Verwerter zurückzuführen ist. Hier sieht man wieder einmal, welche Blüten der Wahnsinn in der Medienindustrie treibt, den Verbraucher möglichst zu gängeln, um “Raubkopien” und unerwünschte Mitschnitte zu unterbinden. Die Hollywood-Studios bestimmen, wie oft ich mir neue Geräte anschaffen muss, um den werbeverseuchten Müll anzuschauen. Aber auch im Pay-TV gibt es ein Formate-Chaos. Selbst als zahlender Kunde bin ich also kein König.

CI+ wird noch einige andere “nette” Dinge für den Verbraucher bringen, mit dem die TV-Anbieter unseren TV-Konsum kontrollieren können. Ich zitiere die “Vorzüge” von CI+ aus der Meldung der Verbraucherzentrale unter dem Abschnitt “Gefahr zunehmender Kontrolle”:

So könnten die TV-Sender etwa festlegen, dass
- eine Sendung überhaupt nicht aufgezeichnet werden kann (“no copy”),
- ein aufgenommener Spielfilm nach fünf Tagen automatisch gelöscht wird,
- Werbeblöcke nicht schnell “vorgespult” werden können (“ad-skipping”),
- eine zeitlich versetzte Wiedergabe (“timeshift”) unmöglich gemacht wird.

Von daher kann ich den Ratschlag, auf CI+ zu warten, nicht teilen. Kauft keine CI+ Receiver !

Es muss endlich einen einheitlichen Standard für Digital-TV (HD und SD) geben, und zwar für DVB-S und DVB-C gleichermaßen. Dieser Standard muss offen, frei implementierbar und möglichst wenig Kontrollfunktionen haben. Für Haushalte ohne oder mit erwachsenen Kindern muss die Jugendschutz-PIN deaktivierbar sein oder einmalig nach dem Einschalten des Receivers abgefragt werden (statt nach jedem Umschalten neu). Ich möchte zudem nicht, dass irgendjemand Inhalte zu Hause auf meiner Festplatte löschen darf, wie jüngst beim Kindle E-Book von Amazon geschehen.

Was man an diesem Beispiel sieht: Urheberrechte bestimmen den Grad der Innovation. Märkte werden abgeschottet; der Verbraucher wird entmündigt, wie selbst UE-Hersteller eingestehen. Eine Erneuerung und Vereinfachung dieses Rechts würde uns allen etwas bringen, nämlich mehr Freiheit, Auswahl und Funktionen. Dazu müsste man aber Politiker haben, die nicht von Lobbyisten abhängen und dem Volk dienen. Oder das Volk mal als Lobbygruppe sehen, welche über Steuern, GEZ-Gebühren und Kabelgebühren genug Geld ins System pumpt.

Weitere Infos:

Quelle Bild: Wikimedia Commons

Der nächste Schildbürgerstreich in Sachen Urheberrechte und Verwertung von medialen Inhalten kommt aus der Ecke des Fernsehens.

Gemäß Rundfunkänderungsstaatsvertrag dürfen ARD und ZDF (also die öffentlich-rechtlichen TV- und Rundfunkanstalten) ihre Inhalte neuerdings nur noch ca. 7 Tage nach der Sendung im Internet bereitstellen. Einige Angebote müssen komplett eingestellt werden. Die bisher angebotenen, z.T. sehr wertvollen Video- und Audio-Beiträge verschwinden also einfach so aus dem Netz. Einem Netz, das für viele mittlerweile wichtiger ist als das klassische Fernsehen, vor allem was die Verbreitung von Informationen anbelangt. Einem Netz, das neben reinem Konsum auch Feedback und Meinungen von Zuschauern einfangen kann, also Interaktion bietet. Einem Netz, das wie geschaffen ist für die Bereitstellung eines umfangreichen Archivs, nicht nur auf 7-Tage-Basis.

Die von ARD und ZDF produzierten Inhalte werden über GEZ-Gebühren von uns allen bezahlt, wir dürfen sie nun aber nur noch zeitlich limitiert konsumieren. Warum das so ist ? Weil die private Medienindustrie mit der Macht der Verlegerlobby darauf gedrängt hat, dass die Öffentlich-Rechtlichen nur ihren eigentlichen Auftrag erfüllen sollen dürfen. Und weil die privaten Medienkonzerne meinen, dass die GEZ-Gebühren den Öffentlich-Rechtlichen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, der nun künstlich beschnitten werden muss. Daher wurde der nachhaltige Verbreitungsweg über das Internet quasi komplett den Privaten überlassen.

Ist das okay ? Ich meine nicht. Wer fühlt sich noch verarscht ?

Ein Ausweg wäre ggf, wenn die Öffentlich-Rechtlichen ihre produzierten Inhalte unter eine CC-Lizenz stellen würden, wie z.B. teilweise beim NDR. Dann könnten andere den Aufbau eines Archivs übernehmen (YouTube & Co.) oder jedermann könnte sich die Inhalte speichern und weitergeben, die er möchte und für die er bezahlt hat.

Ein anderer Ausweg politischer Art: Klarmachen zum Ändern !

Weitere Infos:

Die Web 2.0 Kampagne “Es ist Deine Zeit” von Vodafone D2 hat die deutsche Blogosphäre in Aufruhr versetzt. Die Mehrheit der Blogger mag es wohl nicht, wie Vodafone einige bekannte Blogger vor den Marketing-Karren gespannt hat. Hauptkritikpunkte der Blogger sind Vodafones freiwilliger Vertrag zu den Web-Sperren, die Art und Weise wie Werbung platziert wird und die Glaubwürdigkeit von Vodafones Geschäftspraktiken in Sachen Web 2.0 (z.B. beim Thema Netzneutralität, Produkte und Services). Ein Beitrag bei netzwertig.com geht im einzelnen auf die Deckung der Tarife und Services von Vodafone D2 mit den Web 2.0 Absichten ein.

Die Internet-Community – oder in Vodafones Sprachgebrauch die “Generation Upload” – hat u.a. mit einigen satirischen Aktionen reagiert, wie z.B. diesem Video, welches den “Heroes”-Werbespot mit Ausschnitten aus dem Film 1984 mischt.

Aus meiner Sicht sind die Kritikpunkte zum großen Teil berechtigt. Es gibt eine Menge zu tun auf seiten der Netzbetreiber, um Vertrauen in ein freies Netz mit fairen Preisen und Bedingungen für mobiles Internet zu gewinnen. Internet-Zensur und Abschottung gegen konkurrierende Dienste wie Skype & Co. sind der falsche Weg. Es geht nämlich auch anders, wie O2 demonstriert.

Ältere Postings »

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: