Elektronischer Personalausweis kommt mit unsicheren Lesegeräten

In der letzten Plusminus-Sendung wurde in Zusammenarbeit mit dem CCC gezeigt, dass der im November kommende neue elektronische Personalausweis (ePA) in Zusammenhang mit den dann kostenlos verteilten Lesegeräten unsicher ist. Nun, das ist insofern keine Überraschung, als dass jede Anwendung, die auf dem PC läuft (hier betrifft es mindestens das Eingeben der PIN über die PC-Tastatur), prinzipiell nie zu 100% sicher ist. Das gilt vermehrt für die vielen Lemminge mit Windows-Rechnern, von denen das Bundesinnenministerium verlangt, dass sie für die Sicherheit der PC-Umgebung sorgen müssen. Aber hat das jemals geklappt?

Hier das Video zur Sendung:

Quelle: ARD, über YouTube

Da es immer eine Unsicherheitskomponente gibt, und sei es der Mensch selbst, hätte man meines Erachtens den ePA als hoheitliches Dokument nicht so mit neuen Funktionen überladen dürfen. Die beiden Kardinalfehler beim ePA sind aus meiner Sicht:

1) RFID/NFC-Schnittstelle

Damit können Daten über Funk (im Nahbereich) ausgelesen werden. Falls jemand diese Schnittstelle knackt oder bei authentifizierten Übertragungen mitlesen kann, ist die Sicherheit des Gesamtsystems am Ende. Derzeit ist das Auslesen der verschlüsselten Daten zwar nur nach Authentifizierung der Lesegeräte und PIN-Eingabe möglich, aber wie beim Online-Banking, bei dem die eigentlichen Kryptoverfahren auch sicher sind, wird es über kurz oder lang wahrscheinlich Möglichkeiten geben, diese ePA-Sicherheit zu umgehen (Pishing, Skimming, Man-in-the-middle, etc.).

Und ganz wichtig: Ich selbst habe keine unmittelbare physische Gewalt mehr über dieses Schnittstelle. Außer Schutz durch Alu-Hüllen.

2) Kopplung mit privatwirtschaftlichen Funktionen

Wieso wird der ePA mit Funktionen ausgestattet, die größtenteils der Privatwirtschaft nützen? Der ePA sollte ein rein hoheitliches Dokument bleiben. Alles andere (eID, digitale Zertifikate mit Signaturfunktion) gehört auf eine separate (Bürger-)Karte.

Diese beiden Punkte hätten jedem halbwegs kompetenten und lernwilligen Entscheider auffallen müssen. Denn ist so ein System erst mal gehackt, dann geht es uns wie bei den EC-Karten. Wehe dem, dessen Identität plötzlich missbraucht wird und in der Beweispflicht steht.

Weitere Infos:

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