Gema-Gebühren zu St. Martin

Die GEMA hat mal wieder prominent zugeschlagen und verlangt von Kindergärten und anderen öffentlichen Einrichtungen Gebühren für das Kopieren von Liedtexten bei Feiern und Umzügen zu St. Martin. Die Rheinische Post berichtet heute darüber.

Herrschaften, das ist wieder einmal ein Beispiel, wie dringend notwendig die Reform des Urheberrechts ist. Die Rechteverwerter werden immer dreister. Und da die Politik keine Richtungsänderung erkennen lässt und als weitere Verschärfung der Situation ACTA bald Realität sein könnte, wird es sogar noch schlimmer kommen. Denn das internationale ACTA-Abkommen, welches im Geheimen ausgehandelt wird, macht das Verfolgen von Piraten und Räubern von St-Martin-Liedern einfacher und stellt dem Gesetzgeber weitere Befugnisse zur Verfolgung dieser Straftaten zur Seite. Da hilft dann auch eine Kopie aus dem „bösen“ Internet nicht mehr.

Eine mögliche Alternative: Die Piratenpartei, oft belächelt als Partei „nur für das Internet“, hat darauf Antworten und Konzepte. Der Bürger muss sich nur darauf einlassen wollen – oder eben als Räuber dastehen, weil die Lobby der Medien größer als die der Bürger ist.

Weitere Maßnahme: Einfach (flächendeckend) keine Musik mehr von urheberrechtlich geschützten Werken verwenden, sondern gemeinfreie oder unter besonderen Lizenzen stehende Werke (siehe Creative Commons).

[Update 02.01.2011]

2 Gedanken zu „Gema-Gebühren zu St. Martin

  1. Maurice Thomás

    „Die Rechteverwerter werden immer dreister.“
    Was ist bitteschön dreist daran, dass auch vorschulische Einrichtungen für urheberrechtlich geschütztes Material eine geringe Lizenzgebühr (56€/Jahr) zahlen sollen? Immerhin müssen die Komponisten & Textdichter ja auch von etwas leben.

    Zudem könnten diese Einrichtungen das leicht umgehen, wenn sie die Noten nicht einfach kopieren, sondern z.B. mit dem PC abschreiben würden. Dies ist nämlich gem. §53 Abs.4 UrhG ausdrücklich erlaubt.

    Wenn es also unbeding Zuckowski, Jöcker & Co anstatt „Ich geh mit meiner Laterne“ sein müssen, dann bleiben eben nur drei Möglichkeiten:
    1. Noten kaufen
    2. Noten kopieren und Lizenzgebühren zahlen
    3. Noten abschreiben und nichts zahlen müssen

    Desweiteren hat die Gema eigentlich nur sekundär damit zu tun. Treibende Kraft hinter dieser Sache ist die VG Musikedition, die die Gema lediglich mit der Administration dieser Angelegenheit betraut hat.

    „Einfach (flächendeckend) keine Musik mehr von urheberrechtlich geschützten Werken verwenden“
    Als würden die Leute auf ihre Top10-Musik verzichten. Das ist lächerlich und geht an jeder Realität vorbei. Genauso, wie es jedem Bürger freisteht, alternativ gemeinfreies Material zu verwenden, so muss es den Musikurhebern gestattet sein, selbst zu entscheiden, ob sie ihre Arbeit nun regulär oder unter einer CC-Lizenz veröffentlichen.

    Schade, dass bei dieser Diskussion immer nur an den Konsumenten und nicht an die Musikurheber gedacht wird.

    1. Ralf Beitragsautor

      Zu “Einfach (flächendeckend) keine Musik mehr von urheberrechtlich geschützten Werken verwenden”
      Damit meinte ich explizit die Verwendung in den Schulen und Kindergärten auf St. Martin bezogen. Ich meinte damit nicht den Konsum von Musik aus den Top10 von Otto-Normalbürger!

      Ich selbst kaufe z.B. recht viele kommerzielle, urheberrechtlich geschützte Bücher, Videos und Musik. Musik meist im Internet, seitdem die DRM-Gängelung weggefallen ist. Solange meine Rechte also Konsument gewahrt bleiben, werde ich das auch weiterhin tun (Gegenbeispiele: Gängelung durch HD+ akzeptiere ich nicht; ich kaufe nur Romane als E-Book, da die DRM-Gängelung bei Fachbüchern nicht akzeptabel ist). Große Probleme habe ich mit Medien, bei denen ich als legaler, zahlender (!!) Nutzer benachteiligt werde oder über Gebühr über den Tisch gezogen werde. Da greift mein Gerechtigkeitssinn.

      Die Problematik Urheberrecht vs. Rechte der Kunden kann man sicherlich endlos diskutieren. Das entscheidende ist aus meiner Sicht, dass in heutiger Zeit hinter den einzelnen Urhebern fast nur noch große Gesellschaften und Firmen als „Verwerter“ stehen, die an Gewinnmaximierung interessiert sind. Da hat sich aus meiner Sicht eine große, auf Selbsterhaltungstrieb getrimmte Industrie gebildet. Die Urheber im eigentlichen Sinne (Autoren, Musiker, also die Kreativen) und die Nutzer bleiben zusehends auf der Strecke. Die Kriminalisierung z.B. von Jugendlichen (oder deren Eltern) und die systematische Abmahn-Industrie im Internet sind doch zwei Beispiele für diese Entartung. Wieso bezahle ich eigentlich Abgaben auf Rohlinge, Drucker und Brenner, wenn ich de facto eh nicht kopieren darf? Oder die horrenden Löhne der von GEZ-Gebühren bezahlten Bosse. Oder das von der Privatwirtschaft über den Gesetzgeber erzwungene Löschen von bereits per GEZ bezahlten Inhalten im Internet. Oder oder oder. Viele bezeichnen das als Mafia. Lobbyismus pur ist es auf jeden Fall. Die Medienwirtschaft schreibt mit an Gesetzen in diesem Land. Am Ende stehen dann „berechtigte Forderungen“.

      Wie gesagt ist das ein großes Feld, das dringend aufgeräumt gehört. Davon hätten auch die eigentlichen Urheber etwas.

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