Der Terrorismus als interne Waffe

Gestern Abend habe ich mir mal wieder ausnahmsweise Anne Will zum Thema „Im Visier der Terroristen – wie bedroht sind wir?“ angeschaut. Und das auch nur, weil Gerhart Baum zu Gast war, den ich als Verfechter unserer Grundrechte sehr schätze.

Der Bundesinnenminister de Maizière war lange Zeit geschickt auf dem liberalen Kurs von Gerhart Baum unterwegs, hat dann aber doch das wahre Bestreben seiner Politik und die der CDU offenbart. Denn anfangs sagte er, er wolle die freiheitliche, demokratische Grundordnung nicht antasten. Und die Runde und die Zuschauer waren beruhigt. Doch dann wurden auf einmal doch Gesetze (Vorratsdatenspeicherung etc.) für nötig befunden, die genau in unsere vom Grundgesetz garantierte Grundordnung massiv eingreifen. Welche Freiheit meint denn Herr de Maizière, die er dann noch bewahren will?

Wie ahnungslos muss man sein, um nicht zu erkennen, dass die Vorratsdatenspeicherung (VDS) uns beim „Kampf gegen den Terror“ nicht helfen wird. Rein technisch und organisatorisch sind der VDS so enge Grenzen gesetzt, dass man sie sogar als kontraproduktiv bezeichnen kann. Terroristen wären Idioten, würden sie im Internet die Kommunikationsmittel nutzen, der per VDS überwacht würden. Es dauert z.B. für einen einigermaßen erfahrenen Computerspezialisten nur ein paar Stunden, Email- und Chatserver aufzubauen, die man weltweit in einer geschlossenen Gruppe nutzen kann, ohne per VDS erfasst zu werden. Erfasst werden nur die normalen Bürger, die kommerzielle Anbieter wie Telekom und 1&1 nutzen. Auch Telefongespräche über VoIP sind ohne Nutzung dieser Anbieter kein Problem. Genauso könnte man versuchen, alle zwischenmenschlichen Gespräche erfassen zu wollen, in dem man alle Kneipen überwacht. Und wann sind Briefe, Autofahrten und Kinobesuche dran? Es kann ja wohl nicht sein, dass sich jedermann im Kino, per Brief oder auf dem Parkplatz nebenan mit der Planung eines Attentates beschäftigen kann. Oder?

Welchen Bestand wird wohl die Aussage de Maizières haben, dass nur schwerste Straftaten mittels VDS verfolgt werden? Dass schon Bagatelldelikte (wie Filesharing) darunter fallen könnten, gilt als sehr wahrscheinlich, auch wenn das BVerfG anders geurteilt hat.

Ich glaube eher, dass der Terrorismus nur vorgeschoben wird, um bei Bedarf VDS und andere Maßnahmen gegen die eigene Bevölkerung einsetzen zu können (Filesharer, Demonstranten, unliebsame Opposition, etc.). Oder ganz simpel als Konjunkturmaßnahme für die Wirtschaft (Biometrie, Nacktscanner). Oder aus Dummheit? Es könnte auch sein, dass die Regierung ganz bewusst das Thema Terrorismus in den Vordergrund stellt, um von aktuelle Themen wir Stuttgart  21, Castor-Transport und Irland-Krise abzulenken. Es stehen bald Wahlen an und das Volk muss konditioniert werden.

Helfen würde uns, wenn die deutsche Außenpolitik wieder zu alter Stärke finden würde. Deutschland ist bisher vom Terror deshalb weitestgehend verschont worden, weil wir viele Jahrzehnte eine gemäßigte Außenpolitik gemacht haben. Toleranz und Freiheit (des Andersdenkenden) bedeutet eben auch, dass die Einmischung in fremde Kulturen auf ein Mindestmaß zu reduzieren ist. Wer anderen vorschreibt, wie sie zu leben haben, und das sogar mit Gewalt durchsetzt, muss sich über Hass und Aggression nicht wundern. Sind diese aber erst mal entfacht, wird es freilich schwer. Unser Einsatz in Afghanistan hilft uns jedenfalls nicht.

Helfen würde uns, wenn bestehende Gesetze wirksam angewandt würden und die Polizei entsprechend ausgerüstet und ausgebildet würde. Man müsste mal untersuchen, wo schon überall der Rotstift angesetzt wurde. Stattdessen wird seit vielen Jahren der präventive Überwachungsstaat forciert.