Archiv für den Monat: Dezember 2012

Betriebsrente: Faule Versprechungen für Arbeitnehmer

Die Sendung Monitor berichtete am 13.12.2012 über das Thema betriebliche Altersvorsorge unter dem Titel „Betriebsrente: Faule Versprechungen für Arbeitnehmer„.

Wie ich schon gestern in meinem Beitrag „Betriebliche Altersvorsorge – Wieder Lobbyarbeit mit falschen Angaben“ erwähnte, rechnet sich die betriebliche Altersvorsorge nach heutigem Stand nur selten für Arbeitnehmer, sondern eigentlich nur für Besserverdiener am Grenzsteuersatz und für privat Versicherte. Stattdessen haben andere die Vorteile:

  • Subventionen für Betriebe durch geringere Sozialabgaben des Arbeitgebers.
  • Subventionen für Versicherungskonzerne durch falsche Versprechungen beim Abschluss der Verträge und staatliche Werbung für unrentable Anlagen.
  • Der „Betriebsrentner“ zahlt am Ende in der Auszahlphase neben Steuern die vollen Sozialabgaben (auch den Arbeitgeberanteil!) auf die komplette Auszahlung.

Die Monitor Sendung hier zum Anschauen:

Quelle Video: WDR / ARD , auf YouTube.

Betriebliche Altersvorsorge – Wieder Lobbyarbeit mit falschen Angaben

In der letzten Ausgabe der VDI nachrichten Nr. 51/52 2012 erschien ein Artikel mit der Überschrift „Kein Mensch brennt darauf, sich mit Altersvorsorge zu beschäftigen„, in dem es u.a. um die betriebliche Altersvorsorge geht. Interviewt wurde Uwe Saßmannshausen, Geschäftsführer der Pension Solutions GmbH, einer Firma, die als Versicherungsmakler Produkte zur betrieblichen Altersvorsorge vertreibt bzw. als Berater fungiert. Von daher darf man sich nicht wundern, wenn Herr Saßmannshausen die betriebliche Altersvorsorge über den grünen Klee lobt. Leider hat der Journalist der VDI nachrichten keine kritische Fragen an den passenden Stellen gestellt, was ich hiermit nachholen möchte.

So sagt Herr Saßmannshausen:

[…] Selbst die Bundesregierung gibt in ihrem aktuellen Alterssicherungsbericht endlich zu, dass wir ein Problem mit der staatlich geförderten privaten und betrieblichen Altersvorsorge haben. Die Verbreitung lässt zu wünschen übrig. […]

Ist es wirklich wahr, dass die staatlich geförderte zusätzliche Altersvorsorge an mangelnder Verbreitung krankt? Also mehr davon? Oder liegt es nicht daran, dass die Produkte oft nur dem Arbeitgeber und den Versicherungen etwas bringen? Siehe aktuelle Studie zu den Verlusten bei privater Altersvorsorge und siehe auch das Dilemma mit der Direktversicherung als ein Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge, das ich hier im Blog zur Genüge vorgestellt habe.

Weiter im Text:

[…] Die betriebliche Vorsorge ist allein dank der staatlichen Förderung äußerst attraktiv. Es ist doch kein Zufall, dass die SPD in ihrem neuen Rentenkonzept die betriebliche Altersvorsorge deutlich stärken will. […]

Eine Förderung, die dem Arbeitnehmer suggeriert, dass er davon profitiert. Dass am Ende (also in der Auszahlphase) die große Keule kommt mit Steuern und Sozialabgaben auf die gesamte Auszahlung, das wird nicht vollständig erwähnt. Aber genau diese Abgaben – und hier vor allem die seit 2004 zu zahlenden vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge – sind es, die im Verkaufsgespräch fast immer unerwähnt bleiben, am Ende aber zu einer mickrigen Rendite führen. Und das nach 20-40 Jahren sparen.

Stattdessen werden die Vorteile erwähnt:

[…] Für die Rentenbeiträge müssen bis zu einem jährlichen Höchstbetrag von 2688 € keine Sozialabgaben entrichtet werden. Außerdem sind sie in dieser Höhe von der Steuer befreit. Erst bei Auszahlung der Betriebsrente schlägt der Fiskus zu. Die Steuersätze sind dann aber deutlich niedriger als während der Erwerbstätigkeit, weil das Einkommen niedriger ist. […]

Die Darstellung zu den Vorteilen in der Ansparphase ist korrekt. Damit wird schön geworben. Was unerwähnt bleibt, sind die Sozialabgaben in der Auszahlphase, die seit 2004 sogar dem vollen Beitragssatz von derzeit ca. 17,45 bis 17,70% entsprechen. Entweder auf die volle monatliche Betriebsrente oder auf die komplette Kapitalauszahlung bei Ausübung eines Kapitalwahlrechts.

Der Arbeitnehmer zahlt dann auch den Anteil des Arbeitgebers, den dieser zuvor eingespart hat. Arbeitnehmer werden also klar benachteiligt. Und das ist politisch so gewollt, da die Rot/Grüne Koalition dies 2004 so beschlossen hat, die derzeitige Regierung aber auch nicht daran rütteln will. Ach so: Privat Krankenversicherte sind außen vor bei Sozialabgaben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Und auch die Rendite der betrieblichen Altersvorsorge soll allen Unkenrufen zum Trotz glänzend sein:

[…] Allein bezogen auf den Betrag, den der Arbeitnehmer aus seiner eigenen Tasche einzahlt kommen Sie auf jährliche Renditen von 8 % bis 10 %. Und das bei extrem konservativer und damit sicherer Anlage. Das sind Werte, die Sie bei keiner anderen Art des Vorsorgesparens auch nur annähernd erreichen. […]

Spätestens an diesem Punkt weiß man, dass Herr Saßmannshausen ein Lobbyist ist und die Dinge beschönigt. 8 bis 10% Rendite? Nur mit dem eigenen Beitrag (also ohne Zuschüsse und nach Abzug der Kosten)? Mit sicheren Anlagen? Hallo?

Diese Rendite (pro Jahr) hat vielleicht jemand erreicht, der in den letzten 20-40 Jahren Aktien oder Aktienfonds erworben hat. Mit sicheren Anlagen ist so eine Rendite nicht möglich, vor allem in den letzten 5-10 Jahren nicht. Derzeit haben die Versicherungen ja bereits Probleme, den bei alten Verträgen geltenden Garantiezins von 4% zu erreichen. Nicht umsonst wollten unsere „Volksvertreter“ den Versicherungen bei den Bewertungsreserven ein Geschenk machen. Denn derzeit sind mit „sicheren“ Anlagen gerade mal 2-3% drin, zumindest das, was beim Verbraucher ankommt.

Herr Saßmannshausen, wenn Ihnen wirklich etwas an der betrieblichen Altersvorsorge gelegen ist, dann machen Sie mal Druck bei unserer Regierung. Die Rücknahme von Teilen des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) von 2004 wäre das mindeste, was dabei herum kommen müsste, damit sich betriebliche Altersvorsorge wieder lohnt. Machen Sie mal Lobbyarbeit für die Bürger, statt für die Finanzindustrie. Dann können Sie sich gerne noch einmal interviewen lassen.

Fazit: Betrieblichen Altersvorsorge lohnt sich unter den derzeit gegebenen Umständen kaum für Arbeitnehmer, sehr wohl aber für die Versicherungen, die Verkäufer und für die Arbeitgeber.

Siehe auch:

Ralf

28. Dezember 2012

Ich habe heute ein neues WordPress-Theme aktiviert. Das alte Theme gefiel mir nicht mehr, wurde auch nicht mehr weiterentwickelt und hatte den Anschluss an die laufende WordPress-Entwicklung verloren.

Nun habe ich bis auf weiteres das neue Standard-Theme „Twenty Twelve“ aktiviert und gemäß meinen Bedürfnissen konfiguriert. Falls ich ein besseres Theme finde, kann es sein, dass sich das Aussehen dieses Blog noch einmal ändert.

Aber ich denke, dass mit dem aktuellen Theme schon mehr Frische und eine bessere Nutzbarkeit für die Besucher der Seiten erreicht wurde.

Weitere Infos zu „Twenty Twelve„: