Betriebliche Altersvorsorge: Sparen für den Chef

In einem Artikel in der Kontext:Wochenzeitung fasst Dietrich Krauß unter dem Titel „Sparen für den Chef“ den Zustand der betrieblichen Altersvorsorge sehr schön zusammen. Zitat:

[…] Im Juli 2003 verhandelte der CSU-Politiker mit SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt über Reformen im Gesundheitswesen. Um die Finanzlücken bei den Krankenkassen zu stopfen, wurde quasi nebenbei beschlossen, dass auf alle Betriebsrenten künftig der volle Kranken- und Pflegeversicherungssatz fällig wird. Auch rückwirkend für längst geschlossene Verträge. Als … Tausende … ihre Betriebsrente abschlossen, gingen sie davon aus, dass sie diese auch voll ausgezahlt bekommen. Jetzt wurde ihnen per Federstrich ihre Rente um beinahe 20 Prozent gekürzt, indem man ihnen nachträglich die vollen Sozialbeiträge aufbrummte. […]

Die betriebliche Altersvorsorge ist nicht nur wegen der Abzocke bei Altverträgen ein schlechtes Geschäft. Auch für Verträge, die seit 2004 abgeschlossen werden, führt vor allem die nachgelagerte volle Beitragspflicht zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von derzeit fast 18% dazu, dass jahrzehntelanges Sparen für die Arbeitnehmer fast immer unsinnig ist. Neben der klassischen Lebensversicherung kann man heutzutage keinem mehr zu einer betrieblichen Altersvorsorge raten. Hier muss seitens der Politik dringend korrigierend eingegriffen werden. Von den etablierten Parteien – allen voran SPD und CDU – sieht jedoch niemand Nachholbedarf, geht es denen doch vor allem darum, die Lobby zu bedienen.

4 Gedanken zu „Betriebliche Altersvorsorge: Sparen für den Chef

  1. Dr. Justus Adam

    Sehr geehrter Herr Krüdewagen,

    Sie beschäftigen sich in mehreren Artikeln mit der Betriebsrente/Direktversicherung. Auf meiner Webseite (http://direktversicherung.drjustusadam.de)
    habe ich den Artikel „Perversion der betrieblichen Altersvorsorge durch Direktversicherung mittels Entgeldumwandlung“ veröffentlicht, der dieses Finanzprodukt analysiert und zu einem vernichtenden Ergebnis kommt. Dieser Artikel beleuchtet einige zusätzliche Aspekte, die in Ihren Artikeln nicht genannt sind.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Justus Adam

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    1. Ralf Beitragsautor

      Hallo Herr Adam,

      vielen Dank für den Hinweis auf Ihren Artikel, den ich mit Interesse gelesen habe.

      In dem Abschnitt zu den Sozialabgaben schreiben Sie „Hier wird also im Alter zum Teil das an Sozialbeiträgen wieder reingeholt, was in der Erwerbsphase zB. mit dem Abschluß einer Direktversicherung angeblich gespart wurde.“. Eigentlich ist es viel schlimmer. Durch den vollen Beitragssatz im Alter zahlt man sogar mehr als die doppelten Sozialabgaben, da nicht nur die Beiträge, sondern auch die Erträge nachgelagert mit dem vollen Satz von aktuell fast 18% verbeitragt werden. Das „zum Teil“ kann man also streichen.

      Insgesamt kann man viele Kritikpunkte pauschal auch auf die anderen Formen der „Betrieblichen Altersvorsorge“ anwenden. Bei der Direktversicherung wird es aber besonders deutlich.

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