Archiv für den Monat: November 2013

„hart aber fair“ vom 25.11.2013 – Frage zu Direktversicherung

Gestern habe ich zufällig noch die letzten Minuten der „hart aber fair“ Sendung gesehen zum Thema „Null Zinsen – was tun gegen die große Geldschmelze?„.

Am Ende der Sendung – ca. 10 Minuten vor Schluss – wurde ein Zuschauerkommentar bzw. eine Frage zur Direktversicherung behandelt. Ein Zuschauer beschwerte sich, dass er von der Versicherung nach 15 Jahren Laufzeit von versprochenen 40.000€ nur 30.000€ ausgezahlt bekäme und nun sogar noch Krankenkassenbeiträge zahlen müsse.

Gast der Sendung war u.a. Frau Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg, die auf die Frage des Zuschauers geantwortet hat. Die Antwort von Frau Castelló hat mich zu folgendem Statement veranlasst, welches ich per E-Mail an die Verbraucherzentrale Hamburg und in Kopie an „hart aber fair“ verschickt habe.

Sehr geehrte Frau Castelló,

ich habe gestern am Ende der ARD-Sendung „hart aber fair“ mit Interesse die Frage eines Zuschauers zu Beiträgen an die (gesetzliche) Krankenkasse bei Auszahlung einer Direktversicherung und Ihre Antwort darauf verfolgt.

Sie haben korrekterweise darauf hingewiesen, dass man mit der Gesetzesänderung (2004) rückwirkend auch in Altverträge eingegriffen hat und dass dies eigentlich nicht okay ist, man es aber erst einmal so hinnehmen müsse.

Sie sagten aber auch, dass die Regelung, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge bei der Auszahlung einer Direktversicherung zu verlangen, „eine gewisse Logik hat“, da man nicht „zwei Mal diese Beiträge sparen soll“.

Leider ist es nicht so einfach und auch nicht so logisch. Denn die rückwirkend eingeführte Regelung kompensiert nicht nur gesparte Beiträge, sonder geht weit darüber hinaus.

Die Fakten sind:

– Der Arbeitnehmer zahlt bei Auszahlung einer Direktversicherung den vollen Satz zur KV und PV – also auch den Arbeitgeberanteil. Das sind derzeit fast 18% mit eher steigender Tendenz!

– Der Arbeitnehmer spart demnach zwar in der Ansparphase die KV- und PV-Beiträge, muss bei der Auszahlung aber den doppelten Beitragssatz aufbringen. Wenn man nun noch hinzurechnet, dass die KV- und PV-Beiträge nicht nur auf die kumulierten Einzahlungen zu entrichten sind, sondern auch auf die Erträge, dann zahlt man im Alter fast drei Mal so hohe Beiträge als wenn man nur die Einzahlungen als Arbeitnehmer verbeitragt hätte.

– Beispiel: Wenn der Arbeitnehmer in der Ansparphase 50€ Sozialabgaben spart, dann wird er später bei der Auszahlung nicht nur diese 50€ (nach)zahlen müssen, sondern mindestens ca. 100 bis 150€ (je nach Ertrag).

– Noch härter trifft es die Arbeitnehmer, die während der Ansparphase bereits bis zur Beitragsbemessungsgrenze Sozialversicherungsbeiträge gezahlt haben. Die haben in der Ansparphase nämlich keine Sozialabgaben gespart, müssen aber den vollen Satz bei der Auszahlung zahlen (wenn man annimmt, das man im Alter unterhalb der BBG verdient).

– Und nicht zu vergessen: Privat Versicherte zahlen keine Beiträge bei der Auszahlung.

Hier also von „gewisser Logik“ zu sprechen, ist fehl am Platz. Ich hätte mir hier klarere Worte aus Sicht einer Verbraucherschützerin gewünscht.

Und wie man „zwei Mal Beiträge“ sparen kann, ist mir auch nicht schlüssig. Das würde ja bedeuten, dass andere Vorsorgeformen zwei Mal verbeitragt werden würden. Das gibt es aber meines Wissens nicht (außer man ist freiwillig gesetzliche versichert, was eher selten ist).

Übrigens hat der Gesetzgeber in 2004 auch für normale Betriebsrenten die KV- und PV-Beitragssätze vom halben auf den vollen Betrag erhöht und damit in einem Rutsch verdoppelt. Es sind also nicht nur die Direktversicherungen und dabei besonders die Altverträge betroffen, sondern alle Formen der betrieblichen Altersvorsorge – alt wie neu. 18% Abzüge im Alter machen aus jeder Vorsorge ein schlechtes Geschäft. Da ist in der Tat das Kopfkissen besser. Betrieblichen Altersvorsorge in der heutigen Form mit „doppelter“ Sozialabgabenlast für die Arbeitnehmer ist gesellschaftlicher Nonsens, da eigentlich nur Arbeitgeber, Versicherungen und Krankenkassen eine gute Rendite machen.

Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) hat 2004 eine große Ungerechtigkeit geschaffen, über die viele Betroffene mit vollem Recht empört sind. Und einige wehren sich verzweifelt vor Gerichten. Hier würde ich mir seitens der Medien und Verbraucherzentralen mehr Engagement und Hilfe für die Betroffenen wünschen, diese Missstände aufzudecken und zu kommunizieren, um den Gesetzgeber endlich zu einer Korrektur zu bewegen.

Mit freundlichen Grüßen
Ralf Krüdewagen
http://www.kruedewagen.de/blog/direktversicherung/

Frontal21 – Verluste bei Betriebsrenten

Das ZDF hat vor zwei Wochen in der Sendung Frontal21 einen kritischen Bericht Verluste bei Betriebsrenten gebracht. Thema: Die Lage der Betriebsrenten nach dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz 2004 im allgemeinen und die nachträglich erhobene Sozialversicherungspflicht für Direktversicherung im speziellen.

Da die Öffentlich Rechtlichen zur Depublizierung unserer durch Rundfunkbeiträge finanzierten Inhalte gezwungen sind (danke an die Lobby und an die Politiker, die dem zugestimmt haben), bette ich unten ein Video der Sendung aus YouTube ein, in der Hoffnung, dass es länger online bleibt.

Bezeichnend für den Zustand unserer Politik empfinde ich den Kommentar der Dame von der SPD am Ende des Beitrags. Eine Korrektur würde 2,5 Milliarden € kosten (ich denke, dass diese Summe nicht pro Jahr gemeint ist). Welch ein Hohn, hier von Kosten zu sprechen. Das wären doch höchstens weniger Einnahmen für die Krankenkassen, die (derzeit noch) im Geld schwimmen. Ich bin kein BWLer, aber weniger Umsatz bzw. weniger Einnahmen sind keine Kosten. Darf ich als Bankräuber demnächst auch von „hohen Kosten“ sprechen, wenn ich die Beute zurückgeben muss? Weiterlesen

VDI nachrichten: Wenn Vorsorger das Nachsehen haben

Endlich haben die VDI nachrichten einmal einen kritischen Artikel zur Direktversicherung als eine Form der betrieblichen Altersvorsorge veröffentlicht, in dem die Sauerei mit den nachträglich für Altverträge eingeführten Sozialversicherungsbeiträgen beleuchtet wird. Der Artikel „Wenn Vorsorger das Nachsehen haben“ zeigt das Dilemma aus Sicht der Versicherungskunden und Beitragszahler.

Hinweis: Der Artikel in den VDI nachrichten ist bei einem ersten Besuch vollständig online verfügbar. Danach nur noch nach Login als Abonnent oder Mitglied des VDI. Tipp: Um den Artikel trotzdem wiederholt voll zu lesen, kann man einfach den oder die Cookies, die vdi-nachrichten.com setzt, im Browser löschen. Dann ist er wieder frei 😉

In früheren Artikeln hatten die VDI nachrichten ausschließlich „Finanzberater“ zu Wort kommen lassen, die die Vorteile der betrieblichen Altersvorsorge anpriesen und Falschinformationen über angeblich zu sparende Sozialversicherungsbeiträge verbreiten durften ([1], [2]).

Ein kleiner Fehler hat sich in den Artikel jedoch eingeschlichen. Dort heißt es „Zudem wurden sie mit 10 % pauschal besteuert.„. Das ist allgemein gesehen nicht korrekt. Die pauschale Besteuerung für nicht umgestellte Altverträge beträgt seit mindestens 1998 20%. Das ist schon ein nicht unwesentlicher Unterschied, vor allem wenn man die in der Einzahlphase gesparten Steuern mit den in der Auszahlphase zu zahlenden Sozialversicherungsbeiträgen „gegenrechnen“ wollte.

Die Sozialversicherungsbeiträge von fast 18% werden übrigens auf das gesamte Kapital erhoben, was sicherlich in vielen Fällen etwa dem Doppelten (oder mehr) der versteuerten Einzahlungen entspricht. Jeder kann sich nun ausrechnen, wie viele Steuern und Sozialabgaben die Betroffenen insgesamt „gespart“ haben: Nämlich keine. Kleine Rechnung gefällig? Angenommen man zahlte 50.000€ in die Altersvorsorge ein. Dann sparte man maximal 20% Steuern (zum Grenzsteuersatz) und 9% Sozialabgaben (Arbeitnehmeranteil). Macht 14.500€ Ersparnis in der Ansparphase. Wenn man nun nach Laufzeit von 25 oder 30 Jahren sagen wir 100.000€ ausgezahlt bekommt, zahlt man auf diese Summe 18% Sozialabgaben. Das macht 18.000€. Ein saugutes Geschäft – aber nur für die Krankenkassen, die Arbeitgeber und die Versicherungswirtschaft.

Leider hat es der „Infokasten“ aus der Printausgabe der VDI nachrichten nicht in die Online-Version geschafft. Dort gab es zusätzlich einen Hinweis auf Gerhard Kieseheuer und den Arbeitskreis GMG-geschädigte DV-Versicherte mit Angabe der Kontakt-E-Mail-Adresse gmg-geschaedigte@gmx.de.