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Tag-Archiv 'CCC'

Gestern Abend hat es bei den Koalitionsverhandlungen eine unerwartet zügige Einigung zwischen CDU/CSU und FDP gegeben hinsichtlich der offenen Fragen beim Thema Innenpolitik. Streitpunkt waren vor allem die Vorratsdatenspeicherung, das BKA-Gesetz und die Web-Sperren gegen Kinderpornografie. Leider – aber auch wie zu erwarten war – sind diese Überwachungsgesetze nur mäßig eingeschränkt worden. Um es gleich zu sagen: Was uns von den designierten Koalitionspartnern als großer Sieg der Bürgerrechte verkauft wird, ist zum größten Teil eine Mogelpackung.

Bei der Vorratsdatenspeicherung ist nämlich so gut wie gar nichts geändert worden. Es soll weiter verdachtslos für 6 Monate protokolliert werden, mit wem ich wann und wo telefoniert habe, wem ich wann und wo eine Email oder SMS geschrieben oder empfangen habe und welche IP-Adresse ich beim Surfen im Internet verwendet habe. Lediglich die Auswertung dieser Daten soll auf schwere Gefahrensituationen begrenzt werden, zumindest bis das BVerfG in der Sache endgültig entscheidet. Man muss sich bewusst machen: Das BVerfG hat diese Einschränkung jedoch schon im März 2008 verkündet. Was da nun verbessert worden sein soll, erschließt sich mir nicht. Es wird also munter weiter gespeichert. Es muss aber das Ziel sein, die Speicherung der Daten eben nicht pauschal zu erlauben, sondern schon bei der Speicherung sehr hohe Hürden zu setzen. Die Verfassungsklagen müssen also aufrecht erhalten bleiben.

Bei den Web-Sperren ist in der Tat ein signifikanter Erfolg verzeichnet worden, zumindest bis auf weiteres. Denn die Sperrlisten sollen vom BKA für ein Jahr weder erstellt noch an die Provider weitergegeben werden. Vielmehr soll ein Jahr lang versucht werden, die betreffenden Seiten zu löschen. Das Gesetz wird aber wohl dennoch in Kraft treten, so dass die Sperren eben noch nicht vom Tisch sind. Inwiefern das problematisch sein kann, wird bei netzpolitik.org erörtert. Und die Zensurinfrastruktur ist erstmal geschaffen und kann jederzeit wieder aktiviert werden.
Trotzdem: Diese Wendung hin zum Löschen statt Sperren ist durchaus ein großer Erfolg der Kritiker und Bürgerrechtler. Vor allem gilt der Dank den Teilnehmern an Arbeitskreisen, Petitionen, Unterschriftsaktionen und Demos. Und nicht zuletzt der Piratenpartei. Die FDP konnte eigentlich nicht anders, als sich hier in Szene zu setzen. Vielleicht ist aber auch bei vielen in der CDU langsam die Einsicht gekommen, dass das Zugangserschwerungsgesetz untauglich und dilettantisch ist. Selbst Herr Schäuble hat sich dazu geäußert. Wir müssen aber auch hier dran bleiben.

Das BKA-Gesetz, gegen das ebenfalls eine Verfassungsklage ansteht, wurde demgegenüber nur leicht kosmetisch eingeschränkt. Verdeckte Online-Durchsuchungen sind weiterhin gesetzliches Mittel zur Strafverfolgung.

Insgesamt also eine Reihe von Kompromissen, deren praktische Implementierung und Wirkung erst abgewartet werden müssen. Bürgerrechtler sind weiterhin dringend erforderlich, denn der Kampf ist noch nicht vorbei. Welche Punkte sonst noch auf der Agenda stehen sollten, hat heute der Chaos Computer Club überaus eindrucksvoll als Spickzettel digitaler Bürgerrechte publiziert.

Update: Erste Reaktionen und weitere Links zu den Einigungen:

Für besonders erwähnenswert finde ich die Tatsache, dass der Einsatz der Bundeswehr im Innern vom Tisch ist. Das hätte wirklich einen Dammbruch bedeutet.

Update 2: Der FoeBuD e.V. hat inzwischen eine Beurteilung der Ergebnisse veröffentlicht, die sich stark mit meinen Einschätzungen deckt. Auch der AK Vorrat hat reagiert und bezeichnet die Einigung als völlig unzureichend.

Interviews im ZDF-Mittagsmagazin

Über netzpolitik.org und das Heise-Forum bin ich auf eine Sendung vom ZDF-Mittagsmagazin aufmerksam geworden, in der Markus Beckedahl, die Piratenpartei und der Chaos Computer Club und interviewt wurden. Fazit: Netzpolitik wird wichtiger und die Leute lassen sich nicht mehr alles gefallen. Hier der Mitschnitt:

Quelle: ZDF, auf YouTube

Eine Woche geht zu Ende, die wieder eine Menge an Neuigkeiten zum Thema Websperren und Netzpolitik brachte. Ich fasse hier mal die wichtigsten News zusammen:

Im Chaosradio lief letzte Woche eine sehr interessante Sendung zum aktuellen Thema Internetsperren (Ausgabe 145).  Jeder Politiker sollte sich diese Sendung einmal anhören und lernen.

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Quelle: Chaosradio, Chaos Computer Club Berlin e.V.

Auf dem 25. Chaos Communication Congress (25C3), veranstaltet vom Chaos Computer Club unter dem Motto “Nichts zu verbergen”, wurden wieder viele interessante Themen behandelt aus dem Bereich Computersicherheit und Datenschutz. Mitschnitte der Beiträge sind hier online.

Die interessantesten Meldungen dazu bei Heise:

Wahlcomputer werden leider schon seit einiger Zeit verstärkt auch in Deutschland eingesetzt. Genau so lange gibt es aber fundierte Kritik an Wahlcomputern (siehe hier im Blog oder Links unten), denn diese verstoßen ganz offensichtlich gegen wichtige Prinzipien freier und geheimer Wahlen, z.B. der Nachvollziehbarkeit und Manipulationssicherheit. Ich kann nur jedem als Protest empfehlen, seine Stimme an Wahlcomputern generell ungültig zu machen.

Das Bundesverfassungsgericht muss sich jetzt mit dem Thema befassen, da die Politik es nicht einsehen will, dass die Dinger bis auf weiteres in einer Demokratie nichts zu suchen haben. Stattdessen wird uns versprochen, dass mit Wahlcomputern alles einfacher und billiger werden soll. Dass aber genau das Gegenteil passiert, wurde vielfach bewiesen, lässt viele Verantwortliche aber kalt. Es wird also Zeit, dass Wahlcomputer abgewählt werden. Entweder durch zivilen Ungehorsam oder eben durch Gerichte.

Weitere aktuelle Informationen und Nachrichten zum Thema:

Quelle: YouTube

Der Chaos Computer Club rät den Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherungen, kein Foto für die elektronische Gesundheitskarte einzusenden. Die Sicherheit der Karte sei nicht ausreichend geklärt, heißt es in der Stellungnahme.

Ich bin mal gespannt, wie es mit der elektronischen Gesundheitskarte weitergeht. Ob das Projekt noch zu stoppen ist, wage ich zu bezweifeln. Aber vielleicht hat der Bürger mit einem Foto-Boykott ja eine Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen.

Der Chaos Computer Club (CCC) hat in seiner neusten Mitgliederzeitschrift den Fingerabdruck von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble veröffentlicht. Der CCC will mit dieser Aktion darauf aufmerksam machen, dass biometrische Fingerabdrücke nicht zur zweifelsfreien Identifizierung von Personen geeignet sind, wie sie bereits beim ePass und demnächst auch beim Personalausweis Anwendung findet. Kommen die Identifizierungsmerkmale in falsche Hände, steht einem Mißbrauch nicht mehr viel im Wege, zumal man diese Merkmale nicht ändern kann wie eine PIN. Die biometrische Vollerfassung aller Bürger ist mit erheblichen Risiken verbunden und daher ein Irrweg, wie ich schon hier beschrieben habe.

Meldungen dazu:

Und noch drei Videos zu den Tücken des biometrischen Fingerabdrucks:

1) "Meine Finger gehören mir" vom 24C3 zum Stand des ePasses

2) CCC-Camp 2007: Biometrischer Reisepass und Datenschutz

3) Fingerabdruck – sind die biometrischen Daten sicher?

Der Chaos Computer Club (CCC) hat in einer Pressemitteilung über schwerwiegende Probleme und Ungereimtheiten beim Einsatz von Wahlcomputern bei der Landtagswahl in Hessen berichtet. Über erste Eindrücke von interessierten Wählern und Wahlbeobachtern berichtet netzpolitik.org. Auch Heise berichtet.

Fazit kann in einer Demokratie nur sein: Weg mit den Wahlcomputern !
Und wer an Wahlcomputern wählen muss, sollte seine Stimme ungültig machen.

Video- und Audio-Mitschnitte zu den Vorträgen des 24. Chaos Communication Congress gibt es auf folgenden Webseiten:

Der Chaos Communication Congress ist eine periodische Veranstaltung des Chaos Computer Clubs (CCC) und befasst sich mit technischen und gesellschaftlichen Themen aus dem Bereich Computer- und Netzwerksicherheit. In letzter Zeit werden vom CCC verstärkt politische und gesellschaftliche Entwicklungen behandelt in den Bereichen Bürgerrechte und Datenschutz (wie z.B. Anonymität im Internet, Überwachung) und Auswirkungen der Informationstechnologien auf unsere Gesellschaft.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:
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