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ARD und ZDF: Inhalte im Internet eingeschränkt

Der nächste Schildbürgerstreich in Sachen Urheberrechte und Verwertung von medialen Inhalten kommt aus der Ecke des Fernsehens.

Gemäß Rundfunkänderungsstaatsvertrag dürfen ARD und ZDF (also die öffentlich-rechtlichen TV- und Rundfunkanstalten) ihre Inhalte neuerdings nur noch ca. 7 Tage nach der Sendung im Internet bereitstellen. Einige Angebote müssen komplett eingestellt werden. Die bisher angebotenen, z.T. sehr wertvollen Video- und Audio-Beiträge verschwinden also einfach so aus dem Netz. Einem Netz, das für viele mittlerweile wichtiger ist als das klassische Fernsehen, vor allem was die Verbreitung von Informationen anbelangt. Einem Netz, das neben reinem Konsum auch Feedback und Meinungen von Zuschauern einfangen kann, also Interaktion bietet. Einem Netz, das wie geschaffen ist für die Bereitstellung eines umfangreichen Archivs, nicht nur auf 7-Tage-Basis.

Die von ARD und ZDF produzierten Inhalte werden über GEZ-Gebühren von uns allen bezahlt, wir dürfen sie nun aber nur noch zeitlich limitiert konsumieren. Warum das so ist ? Weil die private Medienindustrie mit der Macht der Verlegerlobby darauf gedrängt hat, dass die Öffentlich-Rechtlichen nur ihren eigentlichen Auftrag erfüllen sollen dürfen. Und weil die privaten Medienkonzerne meinen, dass die GEZ-Gebühren den Öffentlich-Rechtlichen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, der nun künstlich beschnitten werden muss. Daher wurde der nachhaltige Verbreitungsweg über das Internet quasi komplett den Privaten überlassen.

Ist das okay ? Ich meine nicht. Wer fühlt sich noch verarscht ?

Ein Ausweg wäre ggf, wenn die Öffentlich-Rechtlichen ihre produzierten Inhalte unter eine CC-Lizenz stellen würden, wie z.B. teilweise beim NDR. Dann könnten andere den Aufbau eines Archivs übernehmen (YouTube & Co.) oder jedermann könnte sich die Inhalte speichern und weitergeben, die er möchte und für die er bezahlt hat.

Ein anderer Ausweg politischer Art: Klarmachen zum Ändern !

Weitere Infos:

Zypries eigenartige Weltanschauung

Unsere Justizministerin Brigitte Zypries hat gestern in einem Interview bei Welt Online wieder ihre besondere Weltanschauung in Sachen Grundrechte, Zensur und Internet unter Beweis gestellt. Was da an Argumenten und Halbwahrheiten von unserer „politischen Elite“ verbreitet wird, spottet jeder Beschreibung. Besonders in Sachen Urheberrechte gibt es es noch eine Menge für Frau Zypries zu lernen oder einfach mal ohne „ja, aber“ anzuerkennen. Allein die Tatsache, dass bereits eine Menge Geld über Zwangsabgaben auf Hardware aller Art (Scanner, CD-Brenner, Rohlinge, etc.) für das potentielle Kopieren von Musik, Videos, Texten und Bildern vom Verbraucher pauschal bezahlt wird, wird völlig ignoriert. Aber das bisher völlig legale Mitschneiden von analogen Quellen wie Radio wird an den Rand der Legalität gedrückt. Wann wird endlich wieder Politik für das Volk gemacht statt dagegen ? Wann zählt der Wille des Volkes wieder mehr als der von Wirtschaftsbossen und Lobbyisten ?

Zum Phänomen der Piratenpartei meint Frau Zypries:

[…] Selbstverständlich nehme ich das ernst. Aber auf einer irrationalen Ebene lässt sich nur schwer diskutieren. […]

[…] Es reicht nicht, wenn sich die Programmatik darin erschöpft, einem Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen nach dem Motto: Wir sind jung, wir kennen das Netz, und ihr Alten versteht davon nichts.[…]

Wie bitte ? Auf irrationaler Ebene ? Und schönen Dank auch, dass ich nach Wolfgang Schäuble, der mich jüngst auch zur jungen Generation zählte, wieder als jung bezeichnet werde.

[Nachtrag]: Siehe Reaktion der Piratenpartei.

Beim Thema Urheberrechte geht es eben nicht darum, diese abzuschaffen, um kostenlose Inhalte zu genießen (mir jedenfalls nicht und den Piraten auch nicht). Es geht darum, das Urheberrecht so zu ändern, dass die Nutzer mehr Rechte erhalten. Es werden nämlich nicht (nur) die Urheber enteignet, sondern zusehends die Verbraucher. Frau Zypries sollte sich vielleicht mal mit Creative Commons (CC) beschäftigen, einem Lizenzmodell ähnlich dem bei Open Source Software. Der Urheber bleibt bei CC Urheber seines Werkes, gestattet den Nutzern aber weitergehende Rechte und Freiheiten an seinem Werk. Im Laufe der Digitalisierung sind dem Verbraucher nämlich immer mehr Rechte entzogen worden unter dem Deckmantel des Raubkopierertums. DRM ist nur eine Variante dieser Rechteentziehung. Ich könnte und werde hier im Blog noch weitere Beispiele nennen.

CC sollte zuerst bei vom Steuer- und Gebührenzahler bereits finanzierten Werken verwendet werden. Da fällt mir spontan der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ein. Warum werden die von mir/uns bezahlten Werke der ARD und ZDF nicht unter eine CC-Lizenz gestellt, so dass ich ohne Bauchschmerzen diese auf meiner Homepage einbinden könnte ? Diese Frage hätte ich gerne mal beantwortet. Das Thema Öffentlich-Rechtlich vs. Privat und den gesetzlichen Regelungen der Inhalte ist ein eigenes Posting wert.

Heise und netzpolitik.org haben über das Interview bereits berichtet und die Kommentare auf den Seiten sprechen Bände, was die „Netzgemeinde“ davon hält. Im Heise-Forum gibt es wieder bemerkenswerte Meinungen, siehe [1],[2] oder [3].

Gerne sei auch auf das aktuelle c’t Editorial verweisen, welches sich mit dem irrational denkenden, digitalen Volk beschäftigt.

Ich werde übrigens meinem „jugendlichen“ Lebensgefühl spätestens zur Bundestagswahl auf „irrationale“ Weise Ausdruck verleihen.

Der Elektrischen Reporter erklärt Creative Commons

Der  Elektrischen Reporter vom ZDF behandelt im Video „Urheber 2.0: Was tun,wenn keiner kauft?“ die Urheberrechte im digitalen Zeitalter und erklärt u.a. das Lizenzsystem „Creative Commons„. Außerdem gibt es noch die Vorläufer-Episode Urheber 2.0: Jeder Nutzer ein Pirat?

Elektrischer Reporter – Urheber 2.0: Jeder Nutzer ein Pirat?

Elektrischer Reporter – Urheber 2.0: Was tun, wenn keiner kauft?