Schlagwort-Archive: zu Guttenberg

Warum Guttenberg weg musste und die Argumente der Anhänger gefährlich sind

Für alle, die immer noch meinen, zu Guttenberg wäre ein Segen für die Politik in Deutschland (gewesen), der möge sich den hervorragenden Radio-Kommentar „KenFM über den Sturz Guttenbergs und das System Merkel“ unten im Player anhören. Die dort gemachten Aussagen kann ich voll und ganz unterstreichen. Wir können und sollten es nicht zulassen, dass solche Menschen uns jemals wieder regieren.

Quelle: KenFM, auf YouTube

Die treuen „Verehrer“ des Barons, geblendet durch die propagandistische Berichterstattung in BILD und Rheinischer Post, haben es schwer, sachliche Argumente zu finden, warum zu Guttenberg denn ein guter Politiker war und warum wir solche Leute in politischen Ämtern tolerieren sollten. Der Zuspruch ist rein emotional und entbehrt jeder sachlichen Grundlage. Beispielhaft sei hier auf das unten im Player eingebettete Radio-Gespräch „Bild – Leserin beschwert sich über den Rücktritt von Kriegsminister Karl-Theodor zu Guttenberg“ hingewiesen. Man weiß nicht, ob man dabei lachen oder weinen soll.

Quelle: YouTube

Bei Telepolis gab es ebenfalls einen interessanten Beitrag „Wir wollen ihn wieder„, in dem Parallelen zum eigentlich längst vergangenen Führerkult gezogen werden. Mich würde interessieren, wie in den Schulen mit dem aktuellen Thema umgegangen wird und die Lehrer ihrer Verantwortung der politischen Aufklärung gerecht werden. Wollen wir hoffe, das die Generation DSDS & Dschungelcamp nicht komplett verblödet.

Fazit: Wer Freiheit und Demokratie liebt, muss dafür einstehen und diesen Tendenzen entgegenwirken. Auch und besonders im Fall Guttenberg.

Rücktritt Guttenbergs gut für die Demokratie

Der Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg ist heute von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Das war die erfreulichste innenpolitische Nachricht seit langem! Freilich wäre es angemessen gewesen, wenn er im hohen Bogen entlassen worden wäre, wie es jedem „normalen“ Bürger passiert wäre, aber das Resultat zählt.

Quelle: Phoenix, auf YouTube

Was mich aber erschrocken hat, war die Rede zu seinem Rücktritt. Statt die alleinige Schuld für die Misere bei sich zu suchen und endlich Einsicht zu zeigen, schiebt Herr zu Guttenberg die Schuld den Medien und der Öffentlichkeit in die Schuhe. Und noch frecher ist es, das eigene Versagen hinter den tragischen Todesfällen deutscher Soldaten in Afghanistan verstecken zu wollen. Aus einem Täter macht er ein Opfer. Welch eine Farce!

Gerade den Medien (allen voran der BILD und dem Hofsender ZDF, aus dem bekanntlich gerne die Regierungssprecher rekrutiert werden) hat zu Guttenberg seinen Aufstieg und seine Beliebtheit zu verdanken. Dass nun viele Medien, weite Teile des Volkes und letztendlich sogar Politiker das Wirken zu Guttenbergs nicht mehr tolerieren wollten, ist ein Sieg der Demokratie und der Gerechtigkeit. Es scheinen noch nicht alle Menschen in diesem Land verblödet zu sein. Das macht Mut. Zweifelsfrei haben das GuttenPlag Wiki und der „Aufstand“ der Wissenschaft in Form eines Offenen Briefes mit mehr als 60.000 Unterzeichnern einen großen Einfluss gehabt. Das Internet kann also sehr gut für demokratische Prozesse genutzt werden. Wollen wir hoffen, dass jüngste Zensurbestrebungen mit aller Macht bekämpft werden.

Ich habe noch ein schönes Video gefunden, in dem sich Volker Pispers den Herrn zu Guttenberg vornimmt.

Quelle: 3SAT, auf YouTube

Nachtrag 02.03.2011:

Ein paar sachlich fundierte Kommentare zum Rücktritt zu Guttenbergs möchte ich noch erwähnen:

Aber auch die Kehrseite in Form einer politisch abhängigen Berichterstattung soll nicht unerwähnt bleiben. Die heutige Printausgabe der Rheinischen Post beinhaltete eine mehrseitige Pro-Guttenberg-Kampagne mit nur einem kritischen Bericht zum „Aufstand der Wissenschaft“. Auf die Spitze wurde die Propaganda im Artikel „Das Traumpaar der deutschen Politik“ geführt. Wenn dieser Mann jemals wieder politische Verantwortung oberhalb eines Kreistages erlangt, verstehe ich die Welt nicht mehr.

Was ich von zu Guttenberg halte

Meine Meinung über den amtierenden Verteidigungsminister zu Guttenberg wurde bereits vor einiger Zeit negativ geprägt, als es um die geplanten Websperren gegen Kinderpornografie ging. Damals wie heute gab und gibt es engagierte Menschen und Gruppierungen, die viele gute und sachliche Argumente gegen das Zugangserschwerungsgesetz vortrugen und erfolgreiche Petitionen starteten.  Herr zu Guttenberg trat diesen Argumenten an prominenter Stelle im Fernsehen mit zweideutigen Worten entgegen, als er den Kritikern sinngemäß entgegnete, dass er nicht verstehe, wie Menschen gegen die Verbreitung von Kinderpornografie sein könnten. Das Auftreten von Stephanie zu Guttenberg im TV als Befürworterin von Internet-Sperren tat sein Übriges. Dass es den Kritikern gerade um eine effiziente Verfolgung statt dem Verstecken von Kinderpornografie ging, hatte zu Guttenberg nicht verstanden (oder wollte es nicht verstehen). Auch dass sich die Kritik der besorgten Bürger gegen ein rechtsstaatlich zweifelhaftes Gesetz mit klar verfassungswidrigem Charakter richtete, begriff zu Guttenberg wohl nicht. Stattdessen rückte er die Kritiker des Gesetzes (also auch mich) in die Ecke von Sympathisanten. Parallelen zum Gebaren der Politiker bei Stuttgart 21 sind nicht zu übersehen.

Das medienwirksame Auftreten von Herrn zu Guttenberg mag die meisten Menschen davon überzeugt haben, dass er der nächste Kanzler werden sollte. Mich zu keinem Zeitpunkt. Die CDU/CSU hat zusammen mit ihren Hofberichterstattern von BILD, Rheinischer Post & Co.  zu Guttenberg ganz bewusst als den Star am Politikerhimmel positioniert. Bis heute sind den Worten aber keine Taten in Form besonderer Verdienste gefolgt. Der inszenierte Medienrummel in Afghanistan, widersprüchliche Aussagen und Entscheidungen  bei diversen Vorfällen in der Bundeswehr und zuletzt das Aussetzen der Wehrpflicht sind zwar kritisiert worden, aber letztendlich konnte das dem eloquenten zu Guttenberg nichts anhaben.

Ein Wort zur Wehrpflicht: Die Wehrpflicht ist von den Machern des Grundgesetzes ganz bewusst festgelegt worden, denn niemals wieder sollte das Militär so in den Dienst einer Regierung wie bei den Nationalsozialisten gestellt werden können. „Staatsbürger in Uniform“ aus allen Schichten der Gesellschaft sollten stattdessen für die Verteidigung des Landes zuständig sein (und nicht für zweifelhafte Einsätze wie derzeit in Afghanistan). Die aktuellen Geschehnisse in Ägypten sollten uns das in Erinnerung rufen. Denn dort besteht das Militär zu zwei Dritteln aus Wehrpflichtigen. Dass das Militär auf der Seite des Volkes war oder zumindest nicht eingriff, als das Volk aufbegehrte, ist sicherlich auch dieser Tatsache geschuldet. Eine Berufsarmee hätte wahrscheinlich anders gehandelt. Wer würde einem Schießbefehl auf das eigene Volk eher widersprechen: Der einfache Soldat aus der Mitte der Gesellschaft, der nur seinen Pflichtdienst für sein Vaterland ableistet, oder der Berufssoldat, der finanziell und karrieremäßig vollständig abhängig vom Dienstherrn ist? Von daher ist eine einfache Aussetzung oder gar Abschaffung der Wehrpflicht nur zu tolerieren, wenn das Gesamtkonzept stimmig ist und diesen Befürchtungen Rechnung getragen wird.

Herr zu Guttenberg steht aber nun nach dem Beginn der Plagiatsaffäre vor neuen Problemen, die meiner Meinung nach das Ende seiner politischen Karriere bedeuten müssen. Denn aus wissenschaftlicher, persönlicher und politischer Sicht ist er spätestens jetzt untragbar geworden. Wer meint, dass zu Guttenberg Mitglied einer neuen Klasse „Politiker fürs Volk“ wäre, der irrt. Ganz im Gegenteil. Noch mehr Schein, noch mehr Unehrlichkeit, noch mehr Manipulation der Massen durch Mediengleichschaltung, noch mehr Basta-Politik und letztendlich noch mehr Inkompetenz in Sachfragen.

In der folgenden Liste habe ich einige Links mit Infos zu Herrn zu Guttenberg und zur Plagiatsaffäre gesammelt.

Quelle Bild: GuttenPlag Wiki