Archiv der Kategorie: Computer & Internet

Themen rund im Computer und Internet

Datenschutz-GAU beim Sony PlayStation Network

Use DRM on EverythingNachdem man als aufgeweckter Internetnutzer zuerst über Online-Portale und Blogs auf den Datenklau bei Sony aufmerksam wurde, hat mir Sony nun heute persönlich den Hack des PlayStation Networks (PSN) vage eingestanden. Dabei hätte ich die Email fast übersehen, beginnt der Betreff doch mit „Service Update – ….“. Der Inhalt der Email stimmt mit dem vorab veröffentlichten Statement überein.

Nun kann man zu dem PSN-Hack stehen wie man will. Am Ende ist der Kunde der Dumme, der nun um seine Daten bangt. Es gibt durchaus Menschen, die Sony selbst eine Mitschuld dafür in die Schuhe schieben. Denn Sony hat sich wie kaum eine andere Firma unbeliebt gemacht mit strategischen Entscheidungen und Maßnahmen im Zusammenhang mit der Playstation 3. Die rechtsstaatlich zweifelhafte Beschaffung von persönlichen Daten von unliebsamen PS3-Hackern stellt da nur die Spitze des Eisberg da. Und seit Jahren steht Sony immer wieder im Mittelpunkt der Kritik der Community, wenn es um die Gängelung der Kunden und Einschränkung von Kundenrechten geht (Beispiele: Rootkit bei Audio-CDs, DRM). Man sollte auch beachten, dass Sony auch ein Medienunternehmen ist, welches maßgeblich an der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet beteiligt ist (inkl. der Abmahnindustrie). Sicherheit heisst für Sony hauptsächlich „die eigene Geschäftsgrundlage sichern“. Mit Sicherheit im Sinne der Kunden hat das wenig zu tun.

Aber solange Sonys Produkte und Dienstleistungen ihren eigentlichen, begrenzten Zweck erfüllten, habe ich mich dadurch nicht über Gebühr eingeschränkt gefühlt (ein Vorteil, wenn man nicht im Mainstream schwimmt und z.B. kein Windows einsetzt). Die PS3 als Multimedia-Zentrale und Sonys Video-Download-Dienst fand ich trotz allem gelungen. Bei zu großer Gängelung (wie DRM-Musik) habe ich eben nicht gekauft.

Jetzt ist aber ein Punkt gekommen, wo Sony ganz eindeutig handeln muss im Sinne der Verbraucher. Denn wer seine Dienste und Produkte so gut abschottet (u.a. durch etliche „Sicherheitsupdates“ der PS3) und Zuwiderhandlungen vehement verfolgt, von dem kann man doch wohl verlangen, die persönlichen Daten der Kunden ebenso gut abzuschotten. Oder? Der Vorfall zeigt eindeutig, dass Sony die falschen Prioritäten setzt, technisch beim Datenschutz nicht auf der Höhe der Zeit ist und geschludert hat. Außerdem lässt die Unternehmenskommunikation zu wünschen übrig. Inwiefern waren z.B. die geklauten Daten verschlüsselt? Sony verliert kein Wort darüber.

Gleichwohl sind die Kriminellen, die die Kundendaten entwendet haben, mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu verfolgen. Denn mit einem eher „ethischen Angriff“ a la „wir legen mal den Dienst lahm“ als eine Art Demonstration oder Streik hat der aktuelle Datenklau nichts mehr zu tun.

Von daher fordere ich von Sony, die folgende Maßnahmen bei einem Neustart des PSN umzusetzen:

  • Der technische Datenschutz muss verbessert und im Detail erklärt werden. Dazu gehört z.B., dass Passwörter und sensible Daten wie Kreditkartennummern verschlüsselt abzuspeichern sind. Und zwar wirksam verschlüsselt mittels Hash und Salt.
  • Diese technischen Maßnahmen müssen ausreichend dokumentiert sein (z.B. in den AGB), damit ich als Kunde deren Wirksamkeit abschätzen kann. Es soll mir niemand mit „Geschäftsgeheimnissen“ oder „Security by obscurity“ kommen. Beim Autokauf erfahre ich auch, ob und welche Schlösser verwendet und welche Airbags eingesetzt werden.
  • Es werden nur Daten erhoben, die unbedingt nötig sind. Ist die Angabe der Adresse wirklich zwingend nötig? Die Verwendung von Pseudonymen ist dem Kunden bevorzugt anzubieten.
  • Sony überdenkt seine Geschäftspolitik und stellt sich mehr auf Kundenwünsche ein. Es muss Friede geschlossen werden mit der Hacker-Community, aber nicht über Rechtsanwälte sondern in einem offenen Dialog. Das mag zwar mit dem aktuellen Datenklau nichts zu tun haben, würde aber Sony sehr gut tun.
  • Sony unterstützt die Politik und die Behörden bei der Definition und Verbesserung allgemeiner Datenschutzvorgaben (im o.g. Sinne). Hier ist natürlich vor allem die Politik gefragt. Es kann nicht sein, dass für jeden Mist im täglichen Leben Vorgaben gemacht werden, im digitalen Leben die Unternehmen aber machen dürfen, was sie wollen (zumindest ohne Folgen). Mit Worten der Politik: Es darf keinen rechtsfreien Raum in Unternehmen geben. Da nützen jedoch nicht noch mehr schwammige Gesetze, sondern ins Detail gehende Vorgaben. So wie man z.B. beim Auto die Profiltiefe der Reifen vorgibt, müssen technische Mindeststandards im Datenschutz definiert werden.

Sollte Sony dem nicht entsprechen, werde ich meine Konsumgewohnheiten ändern. Letztlich bleibt dann nur ein Boykott aller Produkte und Dienstleistungen von Sony.

Weitere Infos:

Updates:

HP Photosmart C5180: Elkos defekt

Mein Drucker der Marke „HP Photosmart C5180“ verhielt sich seit geraumer Zeit sehr komisch. Nach fast jedem Einschalten meldete er Probleme mit den Tintenpatronen (Fehlercodes 0xc19a0021 und 0xc19a0035), die ich dann kurz entfernen und wieder einsetzen musste, um drucken zu können. Zuletzt kamen dann noch wilde Mechanikzuckungen und  zyklische Ein-/Ausschaltvorgänge dazu. Der 3,5 Jahre alte Drucker war nicht mehr zu gebrauchen.

Mit den o.g. Fehlercodes machte ich mich dann im Internet auf die Suche nach möglichen Ursachen. Denn das Fehlerbild ließ eigentlich keinen eindeutigen Schluss zu. Und ich wurde recht schnell fündig (siehe HP Support Forum und FixYa). Anscheinend hat HP bei einigen Photosmart-Modellen minderwertige Elektrolytkondensatoren (Elkos) eingebaut. So auch bei meinem C5180, wie ich nach Ausbau der Leiterplatte an der rechten Druckerseite feststellen konnte (die Platine mit den Power- und Netzwerkanschlüssen). Denn zwei Elkos vom Hersteller „TEAPO“ wiesen eine leichte, aber dennoch gut sichtbare Wölbung des Deckels auf. Die defekten Elkos mussten also gegen neue ausgetauscht werden, wobei der Zugang zur Leiterplatte und zu den Bauteilen überraschend einfach war: Zwei Schrauben für die rechte Abdeckung mit anschließendem Öffnen des Schnappverschlusses und fünf  Schrauben zum Lösen der Platine.

Folgende Elkos habe ich ersetzt (z.T. mit höherer Spannungsfestigkeit) :

  • C228: 330µF/10V     neu: 330µF/16V
  • C163: 680µF/6.3V    neu: 680µF/6.3V

Der Drucker läuft jetzt wieder ohne Murren.

Chaosradio 161 – SuisseID und der deutsche elektronische Personalausweis

Sehr schön zum aktuellen Thema elektronischer Personalausweis passt die Ausgabe CR161 vom Chaosradio vom 01.10.2010. Der Chaos Computer Club erläutert Hintergründe zum nPA und warum die Sicherheit nicht nur vom Ausweis selbst abhängt.

Quelle CR161: Chaosradio

Sicherheit des neuen Personalausweises

Der neue elektronische Personalausweis (nPA), von der Regierung gegen alle Kritiken eingeführt und vehement als sicher bezeichnet, hat in den letzten Wochen schon arg gelitten. Zuerst zeigte der Chaos Computer Club, dass der PC des Anwenders als das schwächste Glied in der Kette – wie nicht anders zu erwarten war – die Sicherheit des Gesamtsystems unterwandern kann. Das Bundesinnenministerium und auch die Broschüre zum nPA lassen dazu verlauten, dass der Anwender für die Sicherheit des PCs zu sorgen hat. Aktuelle Betriebssysteme, Firewall und Virenscanner sollen es verpflichtend richten. Dass das Augenwischerei ist und Sicherheit in der Breite nicht möglich ist, zeigen die vielen verseuchten SPAM-Schleudern und Botnetze im Internet. Wer also den nPA sicher elektronisch einsetzen will (eID, qualifizierte Signatur), der muss entweder ziemlich blauäugig oder Computerfachmann sein. Oder es muss eine Regelung getroffen werden bezüglich der Haftung bei Missbrauch. Risiko und Beweislast liegen derzeit allein beim Bürger.

Der vorerst größte GAU ist aber eingetreten, nachdem ein Mitglied der Piratenpartei die offizielle AusweisApp binnen Stunden hacken konnte. Gratulation übrigens für diesen bescheuerten Namen für eine Software mit teilweise mehr als 100 MByte Größe. Der Angriff auf die Update-Funktion der AusweisApp mittels DNS-Spoofing ist einfacher Natur und für Sicherheitsexperten tägliches Brot. Der Rechner des Betroffenen kann damit recht beliebig manipuliert werden. Und natürlich ist damit die Sicherheit des nPA als Ende-zu-Ende-System empfindlich betroffen!

Da kommen mir ein paar Fragen auf:

  • Warum wurden einfachste Angriffe auf die Sicherheit der AusweisApp bei der Entwicklung nicht berücksichtigt bzw. getestet? Könnte es daran liegen, dass die beteiligten kommerziellen Firmen und das BSI nicht zusammenarbeiten oder gar zu wenig Ahnung von sicherer Softwareentwicklung haben? Und das bei einem so wichtigen System für 80 Mio. Bürger, bei dem Sicherheit an oberster Stelle stehen sollte.
  • Warum wurden offensichtlich veraltete Softwarebestandteile in der AusweisApp verwendet (z.B. alte Java-Version mit bekannten Lücken)?
  • Warum wird die AusweisApp nicht vor der Veröffentlichung einer breiten Masse an Computer- und Sicherheitsexperten zum Test übergeben? Idealerweise durch Veröffentlichung als Open Source Software. Warum wird die Software hinter verschlossenen Türen entwickelt von rein kommerziell ausgerichteten Unternehmen? Warum vertraut man nicht externen Sachverständigen (wie z.B. dem CCC) oder jedem engagierten Privatanwender als Tester? Und zwar bevor das System tausendfach beim Bürger eingesetzt wird!
  • Muss nicht abermals der Sinn einer Verschmelzung hoheitlicher Aufgaben (Ausweis) mit kommerziellen, wirtschaftlichen Interessen (eID, dig. Signatur) bezweifelt und hinterfragt werden?

Ich jedenfalls zweifele stark an der Kompetenz der beteiligten Firmen und fordere das BSI bzw. das Innenministerium auf, die weitere Entwicklung der AusweisApp unter Einbeziehung der interessierten Öffentlichkeit vorzunehmen.

Weitere Meldungen zum Thema:

Quelle Bild: Wikipedia

Einführung des elektronischen Personalausweises wird zur Farce

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, als ich am Donnerstag auf dem Nachhauseweg den Artikel „Wackelpartie für den neuen Personalausweis“ bei Heise Online las. Der gleiche Artikel ist auch in der gestrigen Ausgabe 41 der VDI nachrichten erschienen.

Die Einführung des elektronischen Personalausweises (ePA) gerät zur Farce, wenn man sich die Geschichte als IT-kundiger und mit gesundem Menschenverstand ausgestatteter Ingenieur anschaut. Schon die Limitierung der Software in den Ämtern auf Microsoft-Produkte ist eigentlich eine Frechheit. Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass damit der zwingende Einsatz des proprietären .NET Frameworks von Microsoft gemeint ist, das zudem nur unter Windows aus dem gleichen Hause läuft. Da hat wahrscheinlich jemand einfach mal angefangen, etwas zu programmieren. Und da zufällig (oder zwangsweise durch die gängige Bündelung von PC-Hardware mit Microsoft-Produkten) .NET auf dem Rechner installiert war, wurde es genommen. Was auch immer in dem Artikel mit „Verwendung von Microsoft-Produkten“ gemeint ist, das ist jedenfalls eine ungeheurere Verschwendung von Steuergeldern durch Lobbyismus und/oder fehlenden Sachverstand. Ich kann nur hoffen, dass sich die Städte, die bereits auf Open Source und offene Standards umgestiegen sind, gegen solche Machenschaften wehren.

Was Lobbyarbeit und Meinungsmache sonst noch bewirkt, kann man sehr schön an einem aktuellen Beispiel (Stuttgart 21) bei den NachDenkSeiten nachlesen. Wie beim ePA handelt es sich bei Stuttgart 21 um ein „Großprojekt“, das gnadenlos durchgezogen wird, weil mächtige finanzielle Interessen dahinter stehen.

Webkonferenz zum E-Postbrief online

Heute wurde mir vom Serviceteam E-Postbrief mitgeteilt, dass der Video-Mitschnitt zur Web-Konferenz vom 25.08.2010 veröffentlicht wurde. Das 10-teilige Video kann auf YouTube angesehen werden.

Die Post hat dazu noch auf folgende Blog-Beiträge hingewiesen:

Quelle: Deutsche Post AG, auf YouTube.

Meine Fragen wurden in folgenden Teilen behandelt:

  • Unterstützung für Standardprotokolle SMTP/POP3/IMAP:  Teil 4, Minute 02:06
    Mein Nachtrag: Ich hoffe nicht, dass ein Plugin kommt, das nur im unsicheren und unseligen Outlook funktioniert. Ich meinte schon Standards, also Unterstützung für alle gängigen Email-Clients. Das sollte bei Verwendung von SSL/TLS kein Problem sein, was ähnlich funktioniert wie die Verschlüsselung im Web-Client.
  • Vorratsdatenspeicherung 1:  Teil 5, Minute 02:22
  • Vorratsdatenspeicherung 2:  Teil 5, Minute 06:40
    Mein Nachtrag: Also werden Verbindungsdaten von E-Postbriefen wohl auf Vorrat gespeichert, sollte die Bundesregierung ein neues Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung verabschieden. Das hatte ich auch erwartet, und insofern ist meine These, dass der E-Postbrief dadurch natürlich weniger sicher und vertraulich als ein normaler Brief ist, bestätigt worden.
  • Kompetenz und Vertrauen im Bereich der elektronischen Kommunikation:  Teil 10, Minute 01:49

Weitere Anmerkungen von mir zu anderen besprochenen Themen:

  • Es wurde erwähnt, dass der TÜV NORD die Sicherheit beim E-Postbrief zertifizieren würde. Hm, das scheint mir keine hinreichende Bestätigung der Sicherheit zu sein. Welchen Wert ein TÜV-Zertifikat hat, konnten wir z.B. bei einem Datenleck für SchülerVZ oder bei Libri sehen.
  • In Teil 7 zur Minute 04:02 wurde die Frage gestellt, wer Zugriff auf den zur Zusatz-Sicherung der Daten nötigen (geheimen) Schlüssel hat. Das wurde beantwortet in etwa mit „Wesentlicher Bestandteil unseres Sicherheitskonzeptes ist es, Detailfragen zur Sicherheit nicht (unbedingt) in der Öffentlichkeit zu beantworten“. Gelinge gesagt ist das ein starkes Stück und zielt auf das schon fast ausgerottete  Security by Obscurity. So geht es nicht, liebe Post. Es sollte öffentlich klar sein, wer meine verschlüsselten E-Postbriefe lesen kann, und sei es auch von staatlichen Sicherheitsorganen.

Elektronischer Personalausweis kommt mit unsicheren Lesegeräten

In der letzten Plusminus-Sendung wurde in Zusammenarbeit mit dem CCC gezeigt, dass der im November kommende neue elektronische Personalausweis (ePA) in Zusammenhang mit den dann kostenlos verteilten Lesegeräten unsicher ist. Nun, das ist insofern keine Überraschung, als dass jede Anwendung, die auf dem PC läuft (hier betrifft es mindestens das Eingeben der PIN über die PC-Tastatur), prinzipiell nie zu 100% sicher ist. Das gilt vermehrt für die vielen Lemminge mit Windows-Rechnern, von denen das Bundesinnenministerium verlangt, dass sie für die Sicherheit der PC-Umgebung sorgen müssen. Aber hat das jemals geklappt?

Hier das Video zur Sendung:

Quelle: ARD, über YouTube

Da es immer eine Unsicherheitskomponente gibt, und sei es der Mensch selbst, hätte man meines Erachtens den ePA als hoheitliches Dokument nicht so mit neuen Funktionen überladen dürfen. Die beiden Kardinalfehler beim ePA sind aus meiner Sicht:

1) RFID/NFC-Schnittstelle

Damit können Daten über Funk (im Nahbereich) ausgelesen werden. Falls jemand diese Schnittstelle knackt oder bei authentifizierten Übertragungen mitlesen kann, ist die Sicherheit des Gesamtsystems am Ende. Derzeit ist das Auslesen der verschlüsselten Daten zwar nur nach Authentifizierung der Lesegeräte und PIN-Eingabe möglich, aber wie beim Online-Banking, bei dem die eigentlichen Kryptoverfahren auch sicher sind, wird es über kurz oder lang wahrscheinlich Möglichkeiten geben, diese ePA-Sicherheit zu umgehen (Pishing, Skimming, Man-in-the-middle, etc.).

Und ganz wichtig: Ich selbst habe keine unmittelbare physische Gewalt mehr über dieses Schnittstelle. Außer Schutz durch Alu-Hüllen.

2) Kopplung mit privatwirtschaftlichen Funktionen

Wieso wird der ePA mit Funktionen ausgestattet, die größtenteils der Privatwirtschaft nützen? Der ePA sollte ein rein hoheitliches Dokument bleiben. Alles andere (eID, digitale Zertifikate mit Signaturfunktion) gehört auf eine separate (Bürger-)Karte.

Diese beiden Punkte hätten jedem halbwegs kompetenten und lernwilligen Entscheider auffallen müssen. Denn ist so ein System erst mal gehackt, dann geht es uns wie bei den EC-Karten. Wehe dem, dessen Identität plötzlich missbraucht wird und in der Beweispflicht steht.

Weitere Infos:

Chaosradio CR159 – Digitale Postkarten

Die aktuelle Chaosradio Ausgabe CR159 steht unter dem Titel „Digitale Postkarten“ und berichtet „über die Versuche, elektronische Post staatlich zu organisieren und kostenpflichtig zu machen“. Damit sind die Dienste De-Mail und E-Postbrief gemeint.

Demnach sind weitere Nachteile der „Bezahlmail“-Dienste, die ich noch nicht genannt hatte:

  • Die digitalen Postkarten gelten spätestens 3 Tage nach Ablage der Nachricht in der Mailbox als zugestellt. Das ist in der analogen Welt, verglichen mit einem Einschreiben, nicht so. Dort wird darauf geachtet, dass ich persönlich das Einschreiben in den Händen halte. Erst dann beginnen Fristen. Bei den elektronischen Varianten liegt die Mailbox zudem bei einem privatwirtschaftlichen Anbieter und damit außerhalb meines Machtbereichs.
  • De-Mail & Co. sollen keine Dokumente ersetzen, die der Schriftform unterliegen. Die dafür nötige qualifizierte elektronische Signatur ist indes heute schon möglich, wird jedoch bei De-Mail & Co. nicht angewandt. Wozu also De-Mail ?

Eine schöne Zusammenfassung der Problematik mit De-Mail und E-Postbrief bietet Heise in der aktuellen c’t unter dem Titel „Elektronische Einschreiben„, wobei der Schlusssatz es auf den Punkt bringt:

Während Unternehmen und Behörden viel Porto sparen, bekommen Privatkunden mehr Pflichten aufgebürdet als bei der Zustellung der Papierpost und müssen einem System vertrauen, von dem noch nicht bekannt ist, ob es wirksam gegen Angriffe und Spam-Attacken geschützt ist und die Korrespondenz dort sicher aufgehoben ist.

Quelle CR159: Chaosradio

De-Mail und E-Postbrief

In den letzten Tagen wurden mit De-Mail und E-Postbrief zwei neue Email-Dienste für Endkunden gestartet, wobei im ersten Schritt eine Registrierung einer persönlichen Adresse vorgenommen werden kann. Beide Dienste versprechen dem Kunden eine sichere und vertrauliche Kommunikation per Email. De-Mail ist auf elektronische Kommunikation privater Kunden mit Behörden und der Privatwirtschaft ausgelegt, wohingegen der E-Postbrief eine Schnittstelle zur analogen Briefwelt bietet und Behörden zunächst außen vor lässt. De-Mail wird gesetzlich vom Staat unterstützt. Der E-Postbrief ist eine privatwirtschaftliche Dienstleistung der Deutschen Post. Soweit eine kurze Erklärung, nähere Infos sind in den Wikipedia-Artikeln zu De-Mail und E-Postbrief zu finden.

Beide Dienste werden jedoch von Experten und Netzgemeinde ziemlich kritisch gesehen, und das zu Recht. Bei De-Mail gibt es massive Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Rolle des Staates, der sich in die elektronische Kommunikation seiner Bürger einschaltet. Der Staat (oder besser gesagt die Regierung) hat in den letzten Jahren sehr viel Vertrauen verspielt bei der Netzgemeinde, da er das Internet nicht als Mittel der freien Kommunikation, sondern eher als Raum ansieht, den es zu kontrollieren gilt.

Meine wesentlichen Kritikpunkte an De-Mail sind:

  1. Umkehrung der Beweislast: Der Kunde (also ich) bin z.B. in der Pflicht, eine Nicht-Zustellung zu beweisen.
  2. Was „rechtssichere Kommunikation“ für den Kunden bedeutet, wird nicht transparent erklärt. Das bringt auch viele Nachteile für den Kunden. Ergibt sich wirklich mehr Sicherheit für mich?
  3. Die Verschlüsselung ist nicht Ende-zu-Ende. Provider und Staat können mitlesen (und manipulieren).
  4. Wenn meine digitale Email-Identität (Unterschrift) in falsche Hände gerät, kann derjenige fröhlich für mich Verträge etc. abschließen. Die Beweislast liegt dann bei mir.
  5. Die Email-Adresse ändert sich, wenn ich zu einem anderen Provider wechsele.

Meines Erachtens müsste die Rolle des Staates darauf reduziert werden, eine Instanz für beglaubigte digitale Zertifikate aufzubauen (so ähnlich wie CAcert). Die sichere elektronische Kommunikation könnte dann von Jedermann mit bestehenden Email-Adressen mittels Standardprotokollen wie S/MIME oder PGP abgewickelt werden. Das würde auch heute schon funktionieren, aber besonders Banken und Wirtschaft haben das bis heute nicht verstanden und umgesetzt. Aber freilich hätte der Staat dann keine Möglichkeit, in die Kommunikation seiner Bürger einzusehen, denn durchgängiges S/MIME oder PGP wäre wirklich sicher. Siehe auch mein Posting zu De-Mail von Februar 2009.

Auch der E-Postbrief hat sein Fett bereits abbekommen. Hohe Kosten, sehr dubiose AGBs (Pflicht zur täglichen Postfachprüfung) und die fehlende Ende-zu-Ende Verschlüsselung sind hier zu nennen. Prädikat: unbrauchbar.

Weitere Infos:

Nachtrag 22.07.2010 zum Thema Sicherheit von De-Mail:

Nachtrag 24.07.2010 zum Thema AGB beim E-Postbrief:

Nachtrag 26.07.2010 zum Thema De-Mail:

Nachtrag 28.-29.07.2010 zum Thema De-Mail

Nachtrag 29.07.2010 zum Thema E-Postbrief:

Nachtrag 03.08.2010 zum Thema De-Mail:

Nachtrag 12.08.2010 zum Thema E-Postbrief: